Es kam, wie es eigentlich immer gegen St. Pauli kommt. Aber wenigstens sorgten die Reste der Februarwärme für halbwegs warme Füße, wenn schon die eigene Mannschaft einen eher zum Frieren bringt. Doch gehen wir chronologisch vor.
Das Spiel begann mehr als müde, in den ersten Minuten passierte außer Fouls überhaupt nichts, doch das sollte nicht symptomatisch für den Rest werden. Im Gegenteil. Nach 10 Minuten schwankten die Fans eine ganze Zeit lang zwischen Klatschen und Gruseln, Klatschen, weil die Blauen ganz ungewohnt relativ munter nach vorne spielten, Gruseln, weil St. Pauli im Gegenzug immer wieder einiges an Platz vor dem Ramovic-Tor hatte. Die beste Kickers-Chance der ersten 30 Minuten, ein Weinzierl-Freistoß, wurde vom sonst zu Unsicherheiten neigenden Pauli-Torwart sauber aus dem Winkel gekratzt, andere Schußchancen von Fiel, Blessin oder Kümmerle verfehlten das Tor. Auf der anderen Seite rollte die Kugel, von einem meist vereinsamten Paulianer umgelenkt, nur knapp am Kickers-Tor vorbei. Denoch überwog das Klatschen, bis zur 35. Minute hatten die Kickers ein oder zwei Torchancen mehr als der Gegner versiebt. Bis zur 35. eben, denn dann machte Pauli aus einem Konter ganz fix mal das 0:1. Für die Blauen war das erstmal zuviel des Guten, sie verloren leider ihren Rhythmus, das Spiel geriet wieder mehr zum Kick&Rush, weitere, nennenswerte Torchancen gab es kaum.
Nach dem Wechsel suchten die Blauen erstmal ihre fußballerischen
Fähigkeiten. Vom Schwung der ersten halben Stunde blieb nichts übrig,
stattdessen häuften sich die Mängel in der Abwehr. Einen solchen,
ziemlich groben Mangel, nutzten die Hamburger für einen Konter, der
jedoch folgenlos geblieben wäre, wenn, ja wenn sich drei Blaue (deren
Namen ich hier aus Höflichkeit verschweigen werde) nicht für
den Pannemann des Jahres beworben hätten. Ramovic hielt den schwachen
Schuß des Pauli-Stürmers mit dem Hintern auf, verlor dann kurz
die Orientierung, die beiden mitgelaufenen Abwehrspieler rannten am Ball
vorbei und der Pauli-Torjäger mußte dem Ball nur noch den Weg
ins leere Tor zeigen. Er ließ sich natürlich nicht zweimal bitten,
0:2, 55.
Die Blauen packten jetzt erstmal die Brechstange aus.
Jegliches System, wenn es denn jemals eines gegeben hätte, ging angesichts
zahlloser Fehlpässe endgültig verloren. Man kann von dem einzigen
Fußballspieler unter vielen Fußballarbeitern nicht verlangen,
daß er alles unter Kontrolle behält, schon gar nicht, wenn er
gerade ins Twen-Alter gekommen ist. Besonders kraß fiel Stürmer
Silvinho ab, nicht nur, daß er Zweikämpfe scheute, wenn er sie
denn führte, verlor er sie mit schöner Regelmäßigkeit.
St. Pauli hatte jegliche Bemühungen Fußball
zu spielen eingestellt und nur wenn die Blauen sich richtig ungeschickt
anstellten kamen sie zum Ansatz einer Konterchance.
Auf der anderen Seite erspielten sich die Kickers nochmal
ein gutes Dutzend Torchancenandeutungen, aber vermutlich hätten sie
auch Sonntag mittag noch das Tor berannt, immer der letzte Paß wurde
so ungenau angelegt, daß eine vielversprechende Möglichkeit
verpuffte, oder der Abschluß war so schwach, daß kein zählbarer
Erfolg heraussprang.
Auf die Gefahr hin wieder von St. Pauli-Fans mit mangelhaften
Rechtschreibkenntnissen komische Mails zu bekommen - St. Pauli war nicht
besser als die Kickers, nur viel cleverer. Tormöglichkeiten genutzt,
hinten mit Glück und Geschick dicht gehalten, drei Punkte eingefahren.
Während die Kickers oft hinten auch dicht bleiben,
geht vorne einfach gar nichts. Kein Glück im Abschluß und nicht
bei allen die erforderliche Tüchtigkeit. Und ohne Tüchtigkeit
und ohne Glück fährt man halt bald wieder nach Wehen oder ähnliche
Provinzmetropolen. Unverständlich bleibt auch, wie man einen frisch
eingekauften Spielmacher erst nach 65 Minuten einwechseln kann. Lieber
bei 2:0-Führung nach 40 Minuten raus, wenn die Kuttel noch nicht reicht,
wie in ein verkorkstes Spiel rein. Wir werden es sehen (müssen).
Die Meinung zum Schiedsrichter:
Hat mich nicht so recht überzeugt. Erkennt ein Pauli-Stürmerfoul
nicht mal, wenn man es an ihm verübt. Zum Glück aber keine spielentscheidenden
Schwächen auszumachen bzw. beide Parteien benachteiligt.
Bruddler des Tages:
(nach einer rustikalen Abwehr von Torsten Ziegner):
"Des isch dr Heberle des Monats"
Spruch des Tages:
Zum in Gelb gekleideten Schiedsrichterassistenten nach
einer falschen Abseitsentscheidung
"Du hosch doch keine drei schwarze Punkt uff doim Drikoh."