Sauberle, Herr Auberle. Ohne ihm eine Chance zu geben, wurde der ehemalige Aufstiegsaspirant Hannover mit leerem Punktesäckel nach Hause geschickt. Alle die, die nicht gekommen waren, dürften es bereuen, denn selten konnte man ein Heimspiel, noch dazu bei angenehmen 10 Grad, so entspannt verfolgen.
Nicht so schwungvoll wie gegen Reutlingen begannen die
Blauen, aber sie hatten gleich eine gewisse Feldüberlegenheit. Ab
der 10. Minute kamen die Leinekicker gar nicht mehr aus der Abwehr und
nur konsequent das 1:0 in der 14. Minute. Carsten Keuler,
heute noch vor Fiel bester Blauer, hielt aus 20 Metern(!) den Kopf hin
und an Freund und Feind, sowie dem durch versperrte Sicht gehandicapten
Torwart Sievers, vorbei rauschte der Ball ins lange Toreck.
Es folgte der übliche Post-Tor-Sekunden-Trieler
der Blauen und nur drei Minuten später hätten die Hannoveraner
den Ausgleich erzielen können, doch der Stürmer verzog freistehend.
Noch herrschte die übliche Bruddlererregung auf der Tribüne,
doch nach 20 Minuten kehrte das erste Mal so etwas wie Ruhe ein. Eine kleine
Vorentscheidung stellte das dumme Foul vom Hannoveraner Amadou dar, man
greift als letzter Mann einfach nicht an das Trikot des Stürmers,
der Schiri belohnte die Textilbremse mit Rot.Fiel scheiterte mit dem Freistoß
knapp.
Natürlich spielten die Kickers jetzt weiter überlegen,
natürlich mußten sich die Hannoveraner etwas kompakter aufstellen
und natürlich konnte der Blaue Sturm keine zwingenden Chancen herausspielen.
Es fehlte, wie schon die ganze Saison, das gewisse Quäntchen, so auch
bei Keulers zweitem Kopfballtorpedeo, das kurz vor der Halbzeit das Ziel
relativ weit verfehlte.
Die zweite Halbzeit begann hochturbulent. Einen abgefälschten
Freistoß konnte Bernd Klaus nur abklatschen (mehr war echt nicht
drin) und den folgenden Schuß aus spitzem Winkel mußte ein
Blauer in höchster Not von der Linie kratzen. Der Blaue Fan wieder
nah am Herzinfarkt, doch es sollte nur ein kleiner Adrenalinschub sein.
Denn nur drei Minuten später, 51 Minuten hatten die Uhren hinter
sich gebracht, als Raspe einfach mal abzog und aus 16 Metern die
Kugel wieder im langen Eck versenkte, 2:0.
Auch der nervöseste Bruddler konnte sich nun zurücklegen
und einen Mark Zimmermann bedauern, der wie ein Brauereipferd in der Spitze
ackerte, zwei tolle Torchancen hatte und beides Mal am HSV-Torwart scheiterte.
Auf der Gegenseite mußte Bernd Klaus noch zwei Mal mit letzter Kraft
klären, aber wirklich angst um die Kickers kam in diesem Spiel nicht
mehr auf.
Sie können's also doch noch. Konsequent gekämpft, den Gegner niedergehalten, sogar mal mehr als ein Tor, beide herausgespielt, nicht geschenkt und hinten sauber geblieben. Was also bruddeln? DAS SIE NICHT DIE GANZE SAISON SCHON SO GESPIELT HABEN, GREIDSGRABBASAGG. Vielleicht hat es aber der Überzeugungsarbeit eines Reiner Zobel bedurft, um der Mannschaft diese Kultur zu vermitteln. Wenn jetzt noch aus dem Nachholspiel gegen Ahlen was zählbares rausspringt, haben die Kickers die Chance, Spitzenreiter der 4-von-6-beißen-ins-Gras-Tabelle zu werden, die sich am Ende der zweiten Liga mit Chemnitz, Mainz, Ulm, Bielefeld, Osnabrück und den Blauen gebildet hat. Hoffentlich bleiben sie es auch bis zum Schluß.
Die Meinung zum Schiedsrichter:
Klasse, Schiri Späker ist das beste, was ich seit
langem gesehen haben, keine Chance für Gebruddel. Pfiff konsequent
alles ab, lag praktisch immer richtig. Wenn er so weitermacht, wird er
mal ein Großer.
Bruddler des Tages:
Nach dem 1:0: "Heid missr ned 85 Minuhda, sondern bloss
76 Minuhda dsiddra."
Spruch des Tages:
Als Benno Möhlmann, Trainer des übernächsten
Heimgegners Bielefeld nach 80 Minuten ging:
"Hier verliered'r au, kosch drhoim vrdsehla."