Für die übliche Bruddel- und Chronistenpflicht
fehlt mir heute etwas der Elan, die Melanchonie hat mich fest im Griff.
Natürlich könnte man darüber lamentieren, wie es gelaufen
wäre, wenn Zimmermann nicht nach 6 Minuten am Saarbrücker Torwart
gescheitert wäre oder wenn eine der drei anderen guten Chancen in
der ersten Halbzeit verwertet worden wären. Aber nein, danach steht
mir heute nicht der Sinn. Auch nicht über die etwas größeren
Buchstaben bei Carsten Keulers Name auf dem Zweitligasarg der Blauen nach
seinem groben Schnitzer, der zum 0:1 führte. Und auch nicht über
die "DFB-Mafia zur Säuberung der Ligen von unattraktiven Auswärtsgegnern"
und ihre Schergen, die Schiedsrichter.
Nein, heute werde ich ein wenig über die Angst schreiben.
Angst hatte jeder von uns schon mal. Als Kind habe ich mich vor Lavawesen
aus einer Raumschiff Enterprise-Folge gefürchtet, die durch Wände
gehen konnten (ein weiterer Beweis dafür, daß man Kinder nicht
zu früh alleine vor den Fernseher lassen sollte). Die Angst war völlig
unbegründet, genauso unbegründet wie die Angst der 14 Akteure,
die man an diesem Abend unterm Fernsehturm auf einem Rasenrechteck ausgesetzt
und mit der Aufgabe der Abstiegsvermeidung beauftragt hatte. Und diese
14 hatten richtig dicke Angst (auch wenn die TV-Euphemisten von der Privatfernverblödung
das Gewürge als 'Abstiegskampf pur' verkaufen werden). Sie hatten
Angst vor einem Gegner, der sich einen ruhigen Abend machen wollte und
vielleicht mit einer Punktprämie etwas fürs Taschengeld zu tun.
Aber nein, die gleichen Jungs, die gegen Reutlingen,
Hannover oder Bielefeld noch kraftvolle, junge und erfolgshungrige Sportler
darstellten, boten heute ein Bild des Jammers. Und für einen Außenstehenden
wie mich ist das einfach nicht nachvollziehbar.
Sie hatten Angst davor, einen Fehler zu machen und begingen
damit den größten Fehler überhaupt, denn sie beraubten
sich aller Chancen die Fehler aus dem Lauf der Saison noch auszubügeln.
Ich nehmen dieses Spiel also her, um mir für mein
eigenes Leben was zu merken: immer, wenn ich vor einer Aufgabe Angst bekomme,
denke ich an diesen Kick, schiebe die Angst beiseite und mache mich doppelt
motiviert und mit einer Portion Risiko an die Lösung dieser Aufgabe.
Und wenn ich scheitere, kann ich am nächsten Tag meinem Spiegelbild
wenigstens sagen: "Ich habe es probiert." Ob das die Kickers auch so locker
können, wage ich nach dem heutigen Auftritt zu bezweifeln.
Zum Schluß der wahre Spruch des Tages, ebenso amüsant
wie bitter:
"Woisch du wo Burghausa isch. Wann de neifahrsch, no
isch rächds dr Oggsa. Do gaids an Schweinebrahda mit Spätzle
ond Salat fir 9 Marg 50. Und do fahra mr näggschd Johr no."
So ischs.