Gladbach, das sind doch die, die nach den Nürnbergern die meisten Fans mitbringen. Richtig, auch dieses Mal waren wieder viele Grüngekleidete ins Waldaustadion gekommen. Viel mehr positives ließ sich von den Gladbachern in der Liga bisher nicht berichten und das nährte die Hoffnung auf ein paar Punkte bei den Blauen.
Das Spiel jedoch begann mit einem Gladbacher Paukenschlag
und wenn Ramovic nicht so fein aufgepaßt hätte, wären die
Rheinländer gleich in Führung gegangen. Die nächsten 20
Minuten wurde das Spiel von gähnender Langeweile beherrscht. Beide
Mannschaften neutralisierten sich 30 Meter vor dem Tor. Überhaupt,
die Versuche der Blauen Torchancen herauszuspielen beeindruckten nicht
einmal die Rasenmaulwürfe, einzig Günter Heberle zeigte mit dem
für ihn gewohnten fulminanten Einsatz Leben auf dem Spielfeld und
meldete seinen Gegenspieler Osthoff über 90 Minuten komplett ab. Die
blauen Stürmer standen meist nur in der konsequent aufgebauten Gladbacher
Abseitsfalle.
Gegen Ende der ersten Halbzeit wurde Gladbach immer stärker,
die letzten fünf Minuten vor der Pause kosteten den blauen Anhang
sicherlich wieder ein paar Lebensmonate, Höhepunkt einer Reihe von
Freistößen und Angriffen war ein Pfostenschuß in der 42.
Minute.
In der Halbzeit wurde bei Gladbach Marcel Witeczek aufs
Feld geschickt und die Grünen setzten auf die Schlußphase der
ersten Halbzeit noch einen drauf. Sogar dem blausten Optimisten mußte
nach 30 Sekunden der zweiten Halbzeit klar sein, daß es sich nur
noch um Minuten handeln würde, bis es hinter Ramovic einschlagen würde.
Genau drei Minuten hielt eine zefahrene blaue Hintermannschaft dem Druck
stand, dann konnte Witeczek unbedrängt einschießen, 0:1
(48.). Es drohte ein Debakel. Die Gladbacher drückten weiter und
auf der Haupttribüne ging es nur noch darum, wieviele Tore die Blauen
noch kassieren würden. Ein, zwei gute Chancen ließen sie noch
folgen, doch dann griff der Schlendrian auf die Borussia über. Nichts
mehr zu sehen von dem schnellen Kombinationsspiel, kein zwingender Druck
mehr vor dem Tor und bei den Blauen erwachte der Kampfgeist jetzt so richtig.
Immer wieder trieben sie den Ball nach vorne....nach vorne....nach vorne.....und
dann waren sie mit ihrem Latein am Ende. Es ist eigentlich erschreckend,
wie wenige spielerische Mittel diese Mannschaft hat. In der Mitte bemühte
sich der junge Fiel, aber lange Bälle auf die Spitzen brachten diese
mehr in Schwierigkeiten als in Schußposition.
So dauerte es bis zur 80. Minute, ehe die Blauen mal
eine richtig gute Torchance hatten. Fiel hatte sich rechts gut durchgesetzt
und der eingewechselte Özkan köpfte die Blessin-Flanke hauchdünn
über das Tor. Diese Chance stellte aber die endgültige Hallo-Wach-Karte
für die Blauen dar und es geschah, womit eigentlich keiner der Zuschauer
mehr gerechnet hatte: der blaue Kampf wurde mit dem Ausgleich belohnt.
Mit großzügigister Unterstützung der Gladbacher Abwehr
konnte Blessin eine unübersichtliche Situation aus nächster Nähe
mit dem Kopf zum 1:1 abschließen, 85. Das war's dann auch, die Gladbacher
bäumten sich aus ihrer Lethargie noch mal auf, aber sie hatten die
Punkte in der Mitte der zweiten Halbzeit verschenkt als sie den Gegner
durch Passivität aufgebaut hatten.
So wird die Mannschaft absteigen. Nach vorne geht einfach
gar nichts, aber das fängt schon beim Torwart an, dessen Abschläge
selten ihre Adressaten erreichen. Lange Bälle in die Spitze, also
klassisch-englisches Kick&Rush, reichen in der zweiten Liga im Jahre
2000 nicht zum Klassenerhalt. Ein Heimpunkt, verdient, aber glücklich,
ist einfach zu wenig, wenn man unten drin steht. Das Toreschießen
und die nicht vorhandene Durchschlagskraft vor dem gegnerischen Tor bleibt
das große Problem der Blauen und ob das mit dem aktuellen Kader zu
beheben ist, wage ich aus heutiger Sicht zu bezweifeln.
Die größte Unverschämtheit leistete sich
allerdings der DFB. Wenn man den Fans im Stadion nicht sagen kann, wann
in zwei Wochen das nächste Heimspiel ist, weil der Termin noch nicht
festgelegt ist, ist der Gipfel der Kommerzprostitution erreicht. So geht
das nicht!
Die Meinung zum Schiedsrichter:
Ruhig, in der zweiten Halbzeit besser, aber mit katastrophalen
Assistenten, beide offensichtlich entweder mit Sehstörungen oder eklatanter
Regelschwäche beim Abseits.
Bruddler des Tages:
Diskussion um eine Abseitsentscheidung.
Fan1: "Es gibt ja immer noch den Unterschied zwischen
passivem und aktivem Abseits"
Fan2: "Dann dürfte der Schiri bei uns nie pfeifen,
unsere Stürmer sind immer passiv"
Spruch des Tages:
Nach dem Verebben des Torjubels nach dem 1:1: "Sind wir
schon Deutscher Meister?"