Klasse Wetter, 12 Grad und ein Sechs-Punkte-Spiel. Allerbeste Vorraussetzungen für einen schönen Fußballsamstag. Daß es mal wieder ein Dauerfestigkeitstest für die Fannerven wurde, ist symptomatisch für das verkorkste Jahr 2000. Doch fangen wir vorne an.
Das Spiel begann eher murksig, keine der Mannschaften
konnte sich so richtig in Szene setzen, von einer schönen blauen Kombination
in der 8. Minute abgesehen, die Blessin leider nicht abschließen
konnte.
Aus heiterem Himmel fiel nach 18 Minuten der Führungstreffer
für die Kickers, als ein Osnabrücker Mauerhüpfer den Fiel-Freistoß
gegen die Laufrichtung seines Torhüters in die rechte Ecke fälschte,
1:0.
Wie in den letzten fünf Jahren (oder sogar noch
länger) üblich, verloren die Kickers durch den Führungstreffer
jegliche Sicherheit. Die Osnabrücker drückten ihr Gaspedal vielleicht
einen halben Zentimeter tiefer durch und kamen sofort gefährlich vor
das blaue Tor. Zwischen der 20. und 30. Minute erspielten sich die Niedersachsen
gleich drei gute Torchancen bis hin zum Lattenschuß. Überhaupt
stellten sich die Norddeutschen angesichts ihres Tabellenplatzes als sehr
ordentlich auftretende Mannschaft dar, allerdings haben sie das gleiche
Problem wie die Kickers: es gibt keinen Spieler, der auch nur ansatzweise
weiß, wie man das Runde ins Eckige befördert. Auch beste Einschußmöglichkeiten
der Osnabrücker blieben ungenutzt und der eigentlich verdiente Ausgleich
fiel nicht. So ging es mit einer Kickersführung in die Kabine.
Nicht daß sich am Spiel viel geändert hatte,
Kampf auf beiden Seiten, wenig spielerische Highlights, die Kickers mit
Kick-and-Rush, die Osnabrücker etwas näher am Fußball.
Dafür wurden sie nach 55 Minuten auch von der Kickers-Abwehr
mit dem "Ich-laß-meinen-Gegenspieler-machen"-Orden ausgezeichnet.
Der erste blaue Abwehrspieler (ich verscheige seinen Namen mal, weil er
sonst zu den besten zählte) tauchte unter der Flanke durch, der zweite
gab sich alle Mühe, den Osnabrücker nicht bei Ballannahme und
Torschuß aus ca. 13m zu behindern und so stand es 1:1.
Hatten sich die Blauen gerade noch doof angestellt, setzten
die Osnabrücker nur drei Minuten später einen drauf. Weinzierls
einzige sehenswerte Aktion, eine Flanke köpfte der engagierte Blessin
schön gegen den Lauf des Torhüters, aber auch gegen den Pfosten.
Gemeinsam spielten dann ein VfL-Abwehrrecke und der Torwart eine kurze
Runde Billard mit dem Ball und dem Torpfosten, der hinzugestürmte
Zimmermann lochte dann durch "über-den-Ball-fallen" ein, 2:1
(58.).
Diese Panne kostete die Osnabrücker einiges an Schwung.
Dennoch wirkten die Norddeutschen feldüberlegen. Um die 75. Minute
herum gab es eine Eckenserie, doch mit Kampf (allen voran mal wieder Stadionheld
Günter Heberle) und Krampf brachten die Kickers den Ball immer wieder
aus der Gefahrenzone. Konter konnten sie jedoch keine herausspielen, angesichts
der weit aufgerückten Osnabrücker ein ziemliches Armutszeugnis.
Merkwürdig auch, daß der ausgepumpte Fiel
dann vom offiziell ausgemusterten Ramovs in der Schlußphase ersetzt
wurde, naja, ich muß nicht alles verstehen.
Bis auf einen Kopfball brachten die Osnabrücker
nichts mehr zustande, dafür blamierten sich Kümmerle und Zimmermann
in der Schlußminute nach Leibeskräften, als sie den einzigen
Kickers-Konter der zweiten Halbzeit freistehend vor dem Torhüter nicht
zum Abschluß bringen konnten.
Drei Punkte, Schöne Weihnachten und Guten Rutsch. Bloß nicht länger über dieses sehr glückliche 2:1 nachdenken und hoffen, daß aus den beiden Auswärtsspielen noch was rausspringt, damit der Abstand zu den Nichtabstiegsplätzen nicht zu groß wird. Angesichts der gebotenen Leistungen muß man allerdings drauf hoffen, daß Rainer Zobel über die Winterpause den Knopf bei der Mannschaft findet, der bei den Jungs das Fußballmodul aktiviert. In der Rückrunde müssen mehr Punkte rausspringen, um die Klasse noch zu halten.
Also liebe Leser. feiert schön, futtert nicht zuviel und man liest sich irgendwann im neuen Jahrtausend (genau, der wirkliche Wechsel ist der 31.12.2000) wieder.
Die Meinung zum Schiedsrichter:
Gute Leistung. Diesmal auch die Assis ok. Nichts zu bruddeln.
Bruddler des Tages:
"Des hod dr Schiri no ned begriffa, daß des koi
Vordoil isch, wann dr Blessin am Ball isch." (nach einem Foul an Zimmermann
ließ der Schiri weiterspielen und Blessin hatte die Chance, einen
Blauen freizuspielen, legte den Paß jedoch viel zu steil an).
Spruch des Tages:
Der Stadionsprecher kurz nach dem Abpfiff: "Vielen Dank
für Ihren Besuch im Jahr 2000. Sie haben viel leiden müssen...."