Raus aus der Winterpause, rauf auf den hartgefrorenen Boden, wo die Sonne nur einen Teil des Spielfeldes vom Schnee befreit hatte. Die Tribünenseite räumten vor dem Spiel ein paar Mainzer. Gehört der Mainzer Trainer Krautzun nicht auch in die "Schleifer"-Kategorie? Oder wollte er seinen meist wärmeres Wetter gewohnten Technikern ein besseres Umfeld bieten?
Wer weiß, die ersten 15 Minuten gaben keinen Aufschluß
auf die Fortschritte aus dem winterlichen Trainingslager. Es herrschte
Langeweile. Geradezu symptomatisch für das Spiel, daß die erste
Torchance vor dem Kickers-Tor passierte. Die nächsten 10 Minuten brachten
gleich noch drei weitere Konterchancen für die Gäste, die sich
aber allesamt trotz berüchtigter Zweitligatorjäger wie Demandt
oder Ouakili nicht in zählbares umwandeln ließen. Obwohl Kritzer
sicher, Heberle gewohnt einsatzfreudig und Minkwitz als Abfangjäger
gekonnt spielten, wirkte die Kickers-Abwehr nicht sicher. Im Vergleich
mit dem Mittelfeld und dem Sturm allerdings stellte sie allerdings ein
echtes Glanzstück dar. Nicht viel System konnte man bei den Blauen
erkennen, Fiel im Mittelfeld ackerte zwar und leistete sich auch kaum Ballverluste,
aber ein Mann reicht einfach nicht. Kümmerle hatte mal wieder einen
nicht wirklich starken Tag erwischt und Marell sammelte vor allem Spielpraxis.
So blieb es in den ersten 45 Minuten bei einer einzigen
Kickerstorchance, kurz vor dem Pausenpfiff strich ein Silvinho-Kopfball
hauchdünn am Pfosten vorbei und wenn Ramovic nicht glänzend reagiert
hätte, wären die Mainzer mit einer Führung in die Pause
gegangen.
Auf den Tribünen froren die Fans in der zweiten Halbzeit
fleißig weiter, kaum Erwärmendes drang vom Rasen herauf. Die
Blauen hatten zwar die meiste Zeit ein gewisses Übergewicht, aber
das Unvermögen vor dem Tor einen präzisen Paß zu schlagen
verhinderte weitere Torchancen. Schlimmer noch die ruhenden Situationen.
Mehrfach gleich wurden Freistöße oder Einwürfe derart unpräzise
ausgeführt, daß die Mainzer keine Mühe hatten, den Ball
wieder aus der Gefahrenzone zu bringen. Die Konterbemühungen der Gäste
hielten sich in Grenzen, schon früh schienen sie mit dem Punkt zufrieden.
Die Gewißheit, daß der Gegner, nämlich die Blauen, kein
Tor schießen würden, hatte sich nicht nur bei den Mainzern breit
gemacht.
Daran änderte auch die Einwechslung des Kickers-Neuzugangs
Georgiev nicht. Der Spieler, der auf 50m eine gewisse Ähnlichkeit
mit den Neckarballrastellis Balakov und Lisztes hat, zeigte immerhin eine
gewisse Ballfertigkeit, aber wenn man nur 15 Minuten aufs Feld darf, kann
man keine Welten bewegen.
So mußte Ramovic die einzige gute Mainzer Möglichkeit
in der 70. Minute mit einem Superreflex entschärfen und die über
4000 Fans froren sich bis zum Schlußpfiff durch.
Es geht also traurig weiter. Vor allem der eklatante Mangel eine halbwegs stabile Abwehr mit gutem Kombinationsfußball unter Druck zu setzen und der absolute Mangel an Durchsetzungsfähigkeit und Torgefährlichkeit bei den Stürmern (wenn der Blessin so erfolgreich wie fleißig wäre, hätte Real Madrid wahrscheinlich schon 80 Millionen geboten) macht für die Zukunft Sorge. Immerhin verließen die Kickers mit dem Punkt mal die Abstiegsränge. Allerdings tauchen sie bei weiteren Leistungen dieser Art dort schnell wieder ein.
Die Meinung zum Schiedsrichter:
Geradezu beklagenswert, daß der Mann einen derart
schwachen Tag erwischte. Bestimmt kein Heimschiedsrichter, nur gut, daß
er keine spielentscheidenden Fehler machte.
Bruddler des Tages:
(nach einer Paßstaffette, deren dritter Paß
beim Gegner landete)
"Desch zu kompliziert gwä."
"Du moinsch, nachem dswoida Paß sodd mr sei Gligg
ned iabrschrabadsiara?"
Spruch des Tages:
Nach einem Zweikampf zwischen Silvinho und einem Mainzer.
"Der Mainzer hakt sich doch ei!"
"No falldr Silvinho scho ned om."