Bestes Wetter, aber eine merkwürdige
Anstoßzeit, wen treibt es schon um halb eins ins Stadion? Immer
hin noch 2700 andere, die den Einstand des neuen Kickers-Trainers Robin
Dutt begutachten wollten. Der, selber noch nicht faltengeplagt, setzte
auf die Jugend und griff kräftig in die Nachwuchskiste der Blauen
und diese Mischung, garniert mit etwas Erfahung, sollte den
Augsburgern, selber gerade eher durchwachsen unterwegs, heimleuchten.
Anfangs sah nichts danach aus. Die Augsburger
kombinierten halbwegs gefällig, ohne jedoch wirklich das
Kickers-Tor zwingend zu gefährden, bei den Blauen klappte wenig
bis gar nichts. Vermutlich mußten die Jungs sich erstmal
orientieren, wer da so auf dem Platz stand und auch wo.
Aus völlig heiterem Himmel jedenfalls gingen die Blauen nach 21 Minuten in Führung.
Freistoß von Gumper (gute Freistöße!) von links, der
Augsburger Keeper kann den ersten Kopfball nur abklatschen und der alte
Hase Malchow drückte die
Kugel über die Linie des Tors auf der Fernsehturmseite.
Danach passierte etwas, an das ich mich kaum noch erinnern kann. Das
Tor gab den Blauen Sicherheit. Das Kombinationsspiel wurde
flüssiger, nach einer halben Stunde der erste richtig schöne
Spielzug, weitere Möglichkeiten ergaben sich und bei den
Augsburgern riß der Faden aber richtig. Sie brachten nichts mehr
zustande und wenn sie nicht kurz vor der Halbzeit mal die Latte
angekratzt hätten, wäre der stimmgewaltige, aber in Teilen
etwas übermotivierte (wegen solcher Nasenbären stehen wir
Fußballfans immer noch hinter Zäunen. :-( ) Anhang der
bayrischen Schwaben der einzige Beweis für ihre Präsenz
gewesen.
Direkt nach dem Wechsel provozierten die "Boys in
Red" den ersten Kickers-Fan-Herzstillstand, doch danach stellten beide
Mannschaften das Fußballspielen mehr oder weniger ein. Zerfahren,
planlos, die Kickers mußten ja auch nicht, die Augsburger konnten
irgendwie nicht, zum Glück konnte man sich an der Sonne erfreuen.
Wieder etwas überraschend das zweite Tor der Blauen in der 62. Minute, schöne Vorarbeit
von Braun, Mesic traf weder Ball noch Tor, aber der junge (und starke) Milchraum erlief sich die Kugel und
schob sie aus spitzem Winkel ein.
Wer jetzt gedacht hätte mit einem 2:0 im Rücken eine
gemütliche halbe Stunde das Kickers-Spiel geniessen zu gönnen
(aber welcher langjährige Kickers-Fan denkt sowas noch?), wurde
mal wieder auf den blauen Boden der nackten Abwehrschwächen
heruntergeholt. Ecke Augsburg, Torwart Köstel ging nicht hin,
Kopfballabwehr zum Gegner, der Ball flitzte noch ein paar Mal im
Zickzack durch den Strafraum und schon war die komfortable Führung
dahin, 65. Minute.
Augsburg witterte jetzt natürlich die Chance auf einen oder
mehrere Auswärtspunkte und schaltete ein paar Gänge hoch.
Immer wieder trieb der mir bei den Gästen am besten gefallende
Damm den Ball noch vorne und flankte gefährlich durch den blauen
Strafraum. Zwei fast identische Szenen testeten die
Reißfestigkeit der angekratzen Blauen Nerven. Zweimal flog der
Ball durch den Strafraum, an Freund, Feind, Köstel und -
gottseidank - auch immer ein paar Zentimeter am Tor vorbei. Mit der
Einwechslung des völlig indisponierten Obinna quälte uns der
Trainer. Mit über fünf Minuten Nachspielzeit quälte uns
der ansonsten ganz brauchbare Referee. Dann aber waren die 3 Punkte im
Kasten.
Es ist noch zu früh, von einer Wende zu
sprechen. Die Jugend spielen zu lassen ist sicherlich kein Fehler, denn
Einsatz zeigten die Blauen erfreulich viel. Schaunmermal würde ein
bekannter Fußballpromi sagen, was der Tapetenwechsel bringt, wenn
etwas größere Kaliber ins Waldaustadion kommen.
Bruddler des Tages:
(anfangs der zweiten Halbzeit, zum Schiri): "Man kann
ein Spiel auch zerpfeifen"
"Welches Spiel?"