9.3.97: Kickers - VfB Oldenburg 5:0, Zuschauer: 3007

Was für ein Ergebnis und das bei strahlendstem Frühlingswetter und Strickjackentemperaturen, da wird man doch nichts zum Bruddeln finden.

Weit gefehlt. Nach bissigen ersten 90 Sekunden standen die Blauen einer massierten Abwehr der Oldenburger gegenüber (nach Ballgewinn hatten die in Rot angetretenen Olderburger aber auch immer genug Zeit zum Aufstellen) und so langsam aber sicher machte sich die Ratlosigkeit im Kickers-Mittelfeld breit, was die relativ planlosen Anspiele in die Spitze deutlich machten.

Erst nach ca. 20 Minuten kam Raspe nach einem Zuspiel von Sailer relativ frei zum Schuß, aber sein Abschluß war so pomadig und unmotiviert wie sein ganzer Auftritt. Schlecht abspielen, abwinken und dann nicht nachsetzen sind Sachen, die man sich 3 Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt einfach nicht leisten darf.

Zwischenzeitlich wurde es im Stadion so still wie während der Gedenkminute zu Beginn des Spiels für den verstorbenen Ex-Kickers Präsidenten. Außer "grausig" fiel nicht mal den hartgesottenen Bruddlern was ein. Richtig Stimmung in die Bude kam erst, als Volksheld Toni Sailer in der 35. Minute freistehend vor dem Oldenburger Tor die Kugel verhuddelte.

Doch vier Minuten später war der Held wieder ins Herz geschlossen, Raspe spielte den Ball auf die rechte Seite zum für Becker gekommen Kevric (der offensichtlich mit Wut im Bauch die ersten 30 Minuten auf der Bank gesessen war), der drosch das Leder quer durch den Strafraum und am langen Pfosten stand Toni "Torinstinkt" Sailer, seinem hartnäckigen und engagierten Bewacher einmal entwischt, und schob den Ball ins leere Tor.

Nur zwei Minuten später hatte Oldenburgs Trainer mehr als ausreichend Grund selber zu bruddeln, denn wer den langen Malchow so unbedrängt köpfen läßt (Ecke Kevric), der hat nichts anderes wie ein Tor verdient, auch wenn der Ball etwas unglücklich unter Torhüter Eilenberger durchschlüpfte.

Wenn es ein Fehler war, so machte er ihn in der 43. Minute wieder wett, als er Alexander Malchow direkt vor der Nase hatte und dessen Ablage mit einem Blitzreflex aus dem Eck boxte.

Nach Seitenwechsel das gleiche Bild. Extrem schwache Oldenburger laden harmlose Kickers-Spieler zum Toreschießen ein. Nächster in der Reihe: Antun Labak, lange erfolglos, wenn ich mich recht erinnere, schnappte sich an der Mittellinie den Ball, stürmte aufs Tor, wurde nicht angegriffen, ignorierte die rechts und links freistehenden Kickers-Stürmer (was die Haupttribüne sofort auf die Palme brachte) und jagte das Leder aus ca. 18 Metern mit Schmackes in linke Eck. Spätestens jetzt war die Partie gelaufen und die Stimmung besserte sich, was sich, als ein Oldenburger gemütlich zum Eckball marschierte, in Sprüchen wie "Jetzt spielen sie auf Halten" äußerte.

Das Spiel erlahmte zusehends und die Bruddler vom Typ Kassandra begannen bereits wieder zu unken ("Die bauen die Oldenburger auf"), da erbarmte sich Markus Beierle, der für Sailer gekommen war und sich ordentlich reinhängte (ob er die Kritik mit dem Wattebausch gelesen hat?), nicht nur ins Spiel sondern auch in Kevrics Hereingabe...4:0 in der 78. Minute.

Den Schlußakkord (und zwar mit Pauken und Trompeten) setzte Alexander Malchow. Bei einem seiner zahlreichen Vorstöße hatte er sich in der 83. Minute im Strafraum festgelaufen, legte den Ball auf den rechten Flügel, die Flanke prallte von der Abwehr Malchow vor den linken Fuß und aus spitzen Winkel wuchtete er das Leder hochs ins lange Tordreieck, absolut Marke "Tor des Monats".

Naja, es gab halt doch nicht soviel zu bruddeln, doch sollte man dieses Spiel nicht überbewerten, denn selten werden sich schwächere Mannschaften im Waldaustadion präsentieren. So bleibt noch mitzunehmen, daß Chatzis vergessen ließ, daß es einen Santl gibt, auch wenn sich Licht und Schatten abwechselten, daß Sebescen unverbruddelt erwähnt werden sollte und daß Wülbier mir wie immer prima gefallen hat.

Die Meinung zum Schiedsrichter:
Gibt's doch gar nicht, ist das zu fassen, was soll ich sagen. Schiri Friedrich(sp?) pfiff umsichtig, mit Fingerspitzengefühl (bis auf Wülbiers gelbe Karte, naja, egal) und lag praktisch immer richtig. Einwandfreie Leistung, wofür er zum bruddelbefreiten Schiedsrichter des Monats ernannt wird.

Bruddler des Tages:
"Dr Kevric brengd doch koi Flangge nei", 2 Minuten, nachdem er per Flanke das 4:0 vorbereitet hatte..

Spruch des Tages:
Als in der 88. Minute 3 Leutchen die Haupttribüne verließen:
"Die ersten 10000 sind schon gegangen"


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