22.3.97: Kickers - FSV Zwickau 1:0, Zuschauer: 2769

Hach, das war ein Tag für des Bruddlers Herz, geradezu ideal von der Dramaturgie und überhaupt.

Des Leitwolfs Rumpftruppe begann bei strahlendem und saukaltem Wetter genau so wie es sich ein Bruddler wünscht. Antun Labak hatte sich schön durchgesetzt und tauchte frei vor dem Torhüter der Sachsen auf, holte aus und .... spielte einen Querpaß auf einen nichtvorhandenen Kickers-Stürmer. Von diesem Knacks fürs Stürmerselbstbewußtsein sollte er sich nicht erholen.

Ganz anders Toni Sailer, er sprühte geradezu vor Torhunger und hatte seinen großen Auftritt nach einer halben Stunde.
Als einem Zwickauer Abwehrspieler bei einem harmlosen Paß das BallControll.exe abstürzte, zog Santl auf der linken Seite davon und paßte den Ball in den Strafraum. Dort schaltete Toni in den Berserk-Mode, wütete im Zwickauer Strafraum wie ein Derwisch und hinterließ a) zwei geplättette Zwickauer, b) einen umgegrabenen Strafraum und c) drei Beinahe-Einschuß-Chancen. Mit den auf der Haupttribüne gerauften Haaren hätte man die Glatzen der Welt zum Verschwinden bringen können.

Wenig später kam es noch besser, Sailer bekam den Ball am Strafraum und drosch die Kugel ins Tor. Das anschließende Bild des Jubels wurde lediglich von der rot-gelb-karierten Fahne des Schiedsrichter-Assistenten getrübt. Und wieder nichts.

Daß es bis zur Pause an der Erwähnung von Zwickauer Chancen mangelt, lag schlicht an deren Nichtvorhandensein (wenn man die eine Szene übersieht, in der einen Zwickauer im Kickers-Strafraum die Fallsucht packte, naja). Die Mannschaft spielte zwar gefällig, aber mit der Harmlosigkeit eines Stoffgorillas.....was nicht so bleiben sollte.

Direkt nach der Halbzeit, die Zipfel der Stadionwürste ragten gerade noch aus den Mundwinkeln, wurde Kevric im Strafraum lang angespielt, drehte sich geschickt um den Abwehrspieler, zog ab und traf (die Blitzumfrage auf der Tribüne erbrachte ein 5:2 für Torpfosten gegen Brust des Torhüters). Den Abpraller verwandelte, o Wunder, Torsten Raspe mit einem satten Schuß ins lange Eck. Danach blühte der Torschütze richtig auf und spielte mit für ihm völlig ungewohntem Biß...ein klarer Fall, welches Video der Mann vor dem nächsten Spiel sehen sollte. Unverständlicherweise wurde er dann Opfer der nächsten Phase.

Die Phase der Auswechslungen begann. Santl, der sich den heiligen Zorn der Haupttribüne zugezogen hatte, überstand sie jedoch alle drei, was die Bruddler endlich wieder mal in die Lage versetzte, über den Trainer zu lästern. Der Zwickauer Trainer hatte seine Leute heiß gemacht, die gerade eingewechselte Nummer 13 schaffte es, sich nach nur 2 Minuten gleich eine gelbe Karte abzuholen.

Ca. 20 Minuten vor Schluß, die Hektik auf der Haupttribüne nach einem Foul oder nicht Foul im Zwickauer Strafraum an einem Blauen hatte sich gerade gelegt, als die Zwickauer beschlossen, daß diese Kickers nicht unbedingt alle drei Punkte brauchen würden und neben der Brechstange noch den Preßlufthammer und die Abrißbirne auspackten.
Eine hohe Flanke nach der anderen schwebte in den Kickers Strafraum, in dem fleißig für den Freischwimmer geübt wurde und an die kommende Adventszeit erinnert wurde (weil eine Kerze nach der anderen gehauen wurde). Dem Herzstillstand nahe mußte man allerdings lediglich in der 85. Minute sein, als ein Zwickauer wirklich völlig frei sieben Meter vor dem Tor zum Schuß kam, dessen Höhe über Boden aber zum Glück überschätzte.

Völlig überraschend kam dann der Schlußpfiff, so daß weder die Zuschauer noch die Spieler richtig begriffen, was ihnen die Stunde geschlagen hatte und das Stadion ohne den kollektiven, befreienden Jubel verlassen mußten. Einige bruddelten an der Straßenbahnhaltestelle immer noch.

Die Meinung zum Schiedsrichter:
Naja, es gibt Steuervorteile, Vorteilsannahme und vorteilhafte Kleidung. Was Vorteil beim Fußball bedeutet, sollte man ihm noch mal einzeln erklären...

Bruddler des Tages:
"Dr Kevric gwennd doch koin Dswoikambf", 2 Minuten, nachdem er sich vor dem 1:0 schön durchgesetzt hatte..

Spruch des Tages:
Als der Schiedsrichterassistent einen Einwurf für Zwickau gab:
"Des, was der brauchd, griagdr gands billig bei Fielmann."


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