Auswärtsspiel in zweifacher Hinsicht. Erst der Umzug
ins naßkalte Neckarstadion, dazu noch haufenweise Frankfurter Fans.
Doch des Schwabenherz freute sich gleich, kaum Ordner,
sogar die Anzeigentafel war abgeschaltet (bis kurz vor
Spielbeginn sogar die Uhr). So spart man effektiv Geld...für die Regionalliga?
Zunächst sah es nicht so aus. Der Anfangsschwung der Frankfurter wurde weggesteckt, die Kickers versuchten sich mit Angriffsspiel. Doch riesig waren die Unterschiede nicht, eher fein. Bei Standardsituationen bildeten die Kickersstürmer einen Pulk, stürmten dann auseinander und verwirrten die Frankfurter nachhaltig. Auf der anderen Seite gab Maric mal wieder eine relativ miese Aufführung des Balletts "Schwalbensee", Kevric verteilte die Bälle an imaginäre Mitspieler und Wülbier mußte verletzt raus.
Nach 18 Minuten rief die Kickers-Abwehr laut "Versetzt uns" und die Frankfurter sprangen sofort an. Wieder einmal wie so oft wurde der Ball nicht weggebracht, ein Frankfurter ging an die Linie, flankte in den Rücken der Abwehr und der Schuß rauschte mit Schmackes ins lange Eck. Prompt ging die alte Verunsicherung wieder durch die Mannschaft und die Frankfurter hätten mit einer sehr komfortablen Führung in die Pause gehen können, wenn Klaus, der Walter hervorragend vertrat, nicht so gut gehalten hätte. Einmal war das Weiße im Auge des Frankfurters Sobotzik schon heller als der Ball, doch Klaus parierte.
Kurz vor der Halbzeit wachten die Kickers nochmal auf, die Spielzüge wurden flüssiger und eine Andeutung von Torchancen versprach Besserung für die zweite Halbzeit. Kurz vor der Pause dann Hanball-Feeling im Frankfurter Strafraum, jeder durfte mal schießen, der Ball wanderte rund ums Tor, aber eben nicht rein.
Mit neuer Willenskraft kamen die Kickers aus der Kabine und setzten die Frankfurter zunehmend unter Druck. Die staffelten sich clever in der Hintermanschaft und lauerten auf Konter, dazu kamen sie jedoch zunächst nicht. Dafür kamen die Kickers zu Torchancen. In der 55. Minute machten die Blauen alles richtig. Bilderbuchspielzug, Bilderbuchflanke, Bilderbuchkopfball. Dummerweise kommt der Torpfosten in den Bilderbüchern nie vor, in der Realität schon.
Die Kickers schienen jetzt wollen zu wollen, aber sie konnten in der Folgezeit nicht so richtig können. Frankfurt bekam die Sache in den Griff und selber zu Konterchancen. In der 75. Minute gipfelten diese in einem Lattentreffer nach einem Eckball.
Damit hatten die Hessen ihren Arbeitstag abgehakt, den Kickers würde wohl schon nichts mehr einfallen. Stimmt, Malchow trieb den Ball nach vorne, 83 Minuten waren gespielt, suchte eine Anspielstation, fand keine und zog einfach ab....und....die Kugel hatte im kurzen Eck eingeschlagen, verdient war es längst.
Doch es kam noch besser. Die Frankfurter, sichtlich geschockt, ließen sich auskontern, Carl versetzte mit feinem Trick seinen Gegenspieler und nach 85. Minuten stand es 2:1. Genau das hätte die Mannschaft gebraucht. Gegen einen sehr guten Gegner so ein Ergebnis rumdrehen, das hätte das Selbstvertrauen für die kommenden Spiele gestärkt...hätte, hätte?? Was sollte denn da noch kommen?
Zuviel. 5 Spielminuten zu viel. Nach dem Führungstreffer igelten sich die Kickers ein (das konnten sie noch nie), bekamen den Ball nicht weg, 2 Freistöße für die Frankfurter, Tohuwabohu im Strafraum, ein gezielter Tritt in die Wade und der Elfmeterpfiff. 88. Spielminute, ein wenig Glück an der Lattenunterkante und es stand 2:2. Naja, wenigstens ein Punkt...Pustekuchen.
Offener Schlagabtausch, die Frankfurter waren noch mal so richtig aufgewacht, die Blauen spielten mit (das können die doch gar nicht) und in der Nachspielzeit passierte das Unfaßbare, unnötiger Ballverlust durch überhastetes Spiel, blitzartiger Konter der Frankfurter, Klaus umspielt und der Ball trudelte vollends über die Linie.
Fußball kann so grausam sein. Und ein weiterer Beweis, daß ein neuer Trainer zwar den Einsatz der Spieler verbessern kann (zumindest teilweise), aber gegen mangelnde Cleverness helfen nur Narben wie diese.
Die Meinung zum Schiedsrichter:
In der ersten Halbzeit noch lobenswert, verlor er in
der zweiten Halbzeit die Linie, legte die Vorteilsregel merkwürdig
aus und pfiff zwischen zu kleinlich und zu großzügig jede Nuance.
Dazu zeigte er Anflüge von Naivität. Schade. Benachteiligte aber
beide Mannschaften gleichmäßig.
Bruddler des Tages:
"Mached dia an Radau" (Einer aus der Herzschrittmacherbetatestgruppe
als die Frankfurter ihre Gesänge anstimmten)
Spruch des Tages:
"Do hod jo jedr Obdachlose an bessra Bladds" (als der
Nieselregen sogar die Reihe 30 auf der Haupttribüne besprengte)