29.3.98: Kickers - SpVgg Greuther Fürth 1:0, Zuschauer: 3231

Einen Monat ohne Kickers, kann nicht sagen, daß einen nach den letzten Ergebnissen die Sucht nach Blau ins Stadion trieb. Eher das wunderschöne Wetter und die liebe Gewohnheit (bei einigen auch das seit 30 Tagen aufgestaute Bruddelpotential, anders ist es nicht zu erklären, daß einer der Bruddler den Beifall für eine schöne Direktabnahme, die halt auf der Tennishalle in Degerloch landetete, folgendermaßen kommentierte: "Do kosch bloß kladdscha, wennr dreffa duad." Kein Wunder, daß sich manchmal Leute, die auf dem Weg zum Friedhof sind, ins Stadion verirren...).

Heute jedoch wußten alle, daß drei Punkte eingefahren werden mußten, sogar bei den Spielern schien das angekommen, denn sie versuchten, teilweise sogar richtig angefeuert, sich ein Übergewicht zu erspielen. Es ist jedoch eine Binsenweisheit, daß das Selbstvertrauen eines Fußballer umgekehrt proportional zum Tabellenplatz seiner Mannschaft ist und so häuften sich unerklärliche Stockfehler und riskante Tändeleien in Tornähe. Es zeigte sich jedoch, daß die mit zwei Ex-Blauen (Dürr und Türr...im fränkischen Sprachraum phonetisch nicht zu unterscheiden, schon mal einen Franken ein 't' sprechen hören? :-) angetretenen Fürther heute (nur heute?) das Gebiß in der Kabine vergessen hatten, so harmlos agierten sie, wenn sie denn mal den Ball hatten.

Auf der anderen Seite kämpfte eine Mannschaft, "Abstiegskampf pur" hätten das die Schönredner von SAT.1 wohl bezeichnet (das sind die, die sogar aus einem Metzgersfoul noch was positives rausholen...."endlich haben wir mal einen unverhüllten Blick auf die Muskeln und Sehnen eines Fußballerbeins...", is mir schlecht).

Kampf und Krampf liegen jedoch nicht nur sprachlich eng beieinander, die Achse auf der rechten Seite mit Raspe und Sebescen entpuppte sich eher als Blumendraht, vorne mühte sich Beierle (dessen torlose Minuten keiner ausgerechnet hat, aber Yeboahs und Elbers Rekord hat der schon lange gebrochen), wurde aber nicht in Szene gesetzt. Dafür zeigte Eberhard Carl, warum er mal in der Bundesliga gegen das Leder treten durfte. Auf der Fläche einer Modelleisenbahn trickste er drei Fürther aus, leider wurde sein Schuß abgeblockt. Auch andere Bälle von Malchow oder Sebescen bleiben in der vielfüßigen (im Schwäbischen gibt's keine Bein!) Abwehr hängen oder verfehlten den Kasten knapp.

Nach dem Wechsel entwickelte sich ein gutes Verbandsligaspiel, selten hat der Beobachter eine derart große Ansammlung von fußballerischen Grobmotoriken und Bewegungslegasthenikern auf einem Haufen gesehen. Es bleibt verwunderlich, wie sich die Franken mit Abwehrspielern, die beim geringsten Forechecking haarsträubende Abspielfehler produzieren, im Mittelfeld der zweiten Liga halten können. Leider besaßen die Blauen nicht die Mittel, um diese Schwächen in Tore umzumünzen, im Gegenteil, sie paßten sich nahtlos an und perforierten beispielweise die Familienplanungsinstrumente des Mannschaftskameraden beim Befreiungsschlag. Paul Linz, der unüblicherweise auf der rechten Seite von der Mittellinie saß, raufte sich ein uns andere Mal das volle Haar...wenn er den Job noch eine Weile macht, ähnelt er bald Telly Savalas.

Nur Sebescen steigerte sich dramatisch und spielte eine fast unbebruddelbare zweite Halbzeit. Toni Sailer kam und brachte Stimmung in die Bude, der Tritt gegen ihn kostete einen Fürther immerhin temporär den Arbeitsplatz  - Gelb Rot. Mit letzten Kräften versuchten die Kickers, den zahlenmäßig unterlegenen Gegner endlich auszuknocken. Fast wäre der Schuß nach hinten losgegangen, ein Kopfball nach einer Standardsituation landete am Kickers-Pfosten.

Symptomatisch für das technisch "hochstehende" Spiel auch die Erlösung in der 75. Minute. Ein lascher, lahmer und lausiger Abschlag des Gästetorhüters landete direkt vor den Füßen von Toni Sailer, er spielte einmal gefühlvoll, paßte in den Lauf von Adi Kevric und der nutzte freistehend vor dem Keeper die Situation aus.

Typisch, daß sich die Kickers danach eher ein paar Konter einfingen, denn selber welche zu starten, typisch auch, daß die Fürther damit überhaupt nichts anfangen konnten. Lediglich ein Freistoß kurz vor Spielende sorgte für ausgerissene Haarbüschel, doch Klaus parierte glänzend.

Und das Fazit: Solche Spiele muß gewinnen, wer nicht absteigen will, egal wie, aber irgendwann sollte das Auge des Betrachters auch mal wieder verwöhnt werden...

Die Meinung zum Schiedsrichter:
Seine Theatralik und Gestik hätten sicher prima auf das Theaterfestival in Heimerdingen gepaßt, jedoch nicht auf einen Fußballplatz, dazu kam, daß die Abstimmung zwischen Pfeifi und Assi geradezu nach Optimierung schrie. Herzig auch die ständigen Diskussionen zwischen Assi und Kevric über die Lage des Balls beim Eckball ("Die Linie gehört doch zum Kreis" "Na und? 2 Millimeter zurück den Ball!"). Benachteiligte jedoch keine Mannschaft entscheidend.

Bruddler des Tages:
"Der Raschbe, dr ko grad 20 Medr laufa, koi Wondr, wenn dr Debb sich vor jedm Schbial a Bfond Nudla neihaud. Da kennde au nemme ladscha."

 


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