Mein blaues Polo-Shirt...seit dem Düsseldorfspiel
ist es verhext. Ich hatte es die Spiele danach an, gegen Fürth hatte
ich es nicht an, dafür wieder gegen Mainz. Heute zu Glück war
das Ding in der Wäsche, denn die Puntke waren dringend nötig.
Obwohl, ich bin ja eigentlich gar nicht abergläubisch.
Zuerst wurde die Haupttribüne durch ein Transparent
auf der Gegengerade aufgeschreckt, auf dem "Anfeuern statt sitzen" stand,
vermutlich suchten ein paar der Kuttenträger für ihre akustische
Niederlage gegen Mainz einen Sündenbock. Den hatte auch Trainer Linz
gefunden und ließ Lösch auf der Bank, die übrigens wieder
auf der linken Seite der Mittellinie stand, aber Paul Linz ist sicher auch
nicht abergläubisch. Die Kickers kamen ohne Schwung in die ersten
Minuten und so richtig wach wurden alle erst, als die Meppener in der 9.
und 10. Minute zwei dicke Torchancen ausließen.
Die Bruddler, vom Transparent offensichtlich angestachelt,
machten positiven Lärm und die Kickers bekamen Oberwasser, folgerichtig
in der 21. Minute das 1:0, als Toni Nazionale den Ball mal wieder irgendwie
mit dem Fuß traf, dabei den freistehenden Becker bediente und der
die Kugel überlegt einschob.
Danach wurde das Flutlicht angeworfen (es tut noch, erstaunlich!)
und leider waren es nicht die Blauen, ganz besonders nicht Torsten Raspe,
denen ein Licht aufging.
30. Minute, ein weiteres Kapitel aus dem Roman "Eine Mannschaft will nach unten". Clever und elegant stoppt Raspe 10 m vor dem Tor den Ball vor dem ersten Meppener, der zweite Meppener bedankt sich und drückt die Kugel zum Ausgleich ein. Warum Raspe den Ball nicht einfach ins Aus drosch, wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben. Allerdings handelt es sich bei der "Lieber-Tor-als-Eckball"-Krankheit um ein Mannschaftsproblem, denn lebensmüde Befreiungsbälle zur Mitte des Feldes hin sah man in der Folgezeit noch öfters. Zum Glück hatten die Meppener die harmlosen Schuhe angezogen.
Nach der Pause schien das Spiel ein wenig einzuschlafen,
als der erste Drang der Kickers vorbei war (und ein Meppener Bein einen
Schuß nach einem Fehler von Kickers-Oldie Brasas von der Linie gekratzt
hatte). Doch gegen die 65. Minute rissen sich die Kickers zusammen, Paul
Linz ruderte mit den Armen wie ein Teigrührer und die Tribüne
brüllte die Mannschaft nach vorne. Die Torchancen häuften sich,
allerdings die meisten wenig zwingend. In der 75. Minute wurde Pfuderer
kurz vor dem Strafraum umgestoßen, und der Freistoß schien
bereits wirkungslos verpufft, als Brasas das Mitleid überkam und er
sich den Preis für das dümmste Foul des Abends verdiente. An
der Torauslinie stieß er einen Blauen um, der noch nicht mal den
Ball unter Kontrolle hatte und Schiri Dardenne zeigte auf den Punkt.
Nicht der von den Fans lautstark geforderte "Fußballgott"
Toni Sailer, sondern Adi Kevric legte sich den Ball auf den Punkt. Egal,
wir sind ja alle nicht abergläubisch und vergaßen die ganzen
vergebenen Strafstöße, das Stadion tobte und schrie den Ball
zum 2:1 ins Netz, 13 Minuten noch zu spielen.
Die Meppener packte jetzt die nackte Verzweiflung und sie griffen mit Mann und Maus an. Leider hatte Maric sein ganzes Pulver schon verschossen, so daß die Kraft für die Konter einfach fehlte, der eingewechselte Beierle schonte sich wohl für Duisburg. Richtig brenzlig wurde es jedoch nur einmal vor dem Kickers-Tor, mit vereinten Kräften brachten sie den Ball aus der Gefahrenzone, sogar Raspe steigerte sich in der Schlußphase und als der Schiri in der Schlußminute nicht, wie vehement von der Meppener Bank gefordert, auf Rückgabe entschied, blieben die Punkte in Degerloch.
Und auch wenn wir nicht abergläubisch sind, mein blaues Polo-Shirt bleibt in der Wäsche.
Die Meinung zum Schiedsrichter:
Dardenne ist ja ein alter Bundesliga-Hase und das merkte
man, er pfiff zwar kleinlich, aber sauber. Sein Assi an der Tribünenseite
hielt das Niveau leider nicht, hier ist eine Nachschulung in Punkto Abseits
dringend empfohlen.
Bruddler des Tages:
"Dr isch jedsd scho me glaufa wia dr Beierle em gandsa
leddschda Schbial", nach 20 Minuten über Toni Sailer.
Spruch des Tages:
"Der rennt au jedem doda Hasa hendrher...deswäga
ischr au blond..." über einen vergeblichen Sprint von Toni Sailer
Schreikrampf des Tages:
Wenn auf der Kickers-Geschäftsstelle mit den Namen
in den Verträgen genauso sorglos umgegangen wird, wie mit meinem (Stadionzeitung
Seite 3 unten), dann können Alexander Machlow, Adnan Kevridsch und
Thomas Watler am Ende der Saison ablösefrei wechseln...