11.12.98: Kickers - Energie Cottbus 1:0, Zuschauer: ca. 1500 (lt. DSF) im Neckarstadion

Trafen sich da etwa zwei Mannschaften zu einen Testspiel für ein mögliches Auswärtsspiel (immerhin skandierten beide Fanblöcke regelmäßig "Auswärtssieg") in der ersten Liga? Bei aller Liebe, aber dieses Spiel wäre in der ersten  Halbzeit nur dann von einem Bezirksligakick zu unterscheiden gewesen, wenn wirklich ein Bezirksligakicker eingewechselt worden wäre und dann auch nur deswegen, weil der durchschnittliche Bezirksligaspieler auf 100m eine dreiviertel Sekunde langsamer als der durchschnittliche Zweitligaspieler ist.
Mühsam kam das Spiel bei nicht ganz so kaltem, aber dafür feucht-nebligem Wetter in Tritt. Nach einer Viertelstunde hatten beide Tore den Ball nur aus der Ferne gesehen und die Kickers unternahmen erste Versuche, sich ein Übergewicht zu erspielen. Doch ein Spieler nach dem anderen hängte die Latte für den Kläglichkeitspreis höher. Sebescen stürmte über das halbe Feld und übersah hartnäckig alle freistehenden Mitspieler und nach einer halben Stunde schaffte Sailer es, völlig frei vor dem Tor den völlig freien Winkler zu übersehen und den halbgetroffenen Ball neben das freie Tor zu setzen. Auf der anderen Seite erarbeiteten sich die Cottbuser jetzt ein paar Mal "Ball-im-gegnerischen-Strafraum-berührt"-Möglichkeiten, doch die Spieler verwendeten vor allem viel Zeit darauf, sich gegenseitig anzubrüllen. Kurz vor der Pause hatten die Kickers nochmal eine gute Phase, doch zu einem Tor reichte das nicht.

Die zweite Halbzeit begann mit einem Cottbuser Paukenschlag. Nach einer Eckenserie schien der Ball schon im Tor, doch Bounoua rettete mit letzter Kraft auf der Linie und auch der Nachschuß ließ den Boden brennen.
Diese Hallo-Wach-Karte wirkte und die Blauen rafften sich auf, das Tor der Cottbuser verstärkt zu berennen. Auch eine kuriose Pause konnte daran nichts ändern. Winkler war mit dem Cottbuser Torhüter zusammengeprallt. Plötzlich fiel der Torhüter um und warf den Ball ins Aus. Der Schiri pfiff Eckball und der Cottbuser Libero Hoßmang (der würde auf dem Hamburger Fischmarkt sicherlich groß rauskommen) holte sich eine gelbe Meckerkarte. Der erst 5 Minuten später ausgeführte Eckball brachte nichts. Kurz darauf hatte Toni Sailer eine große Chance, doch er vergab sie genauso kläglich wie in der ersten Halbzeit und blieb für heute der Tor-Nie Sailer, sogar der Präsident barg das Gesicht in den Händen.
Irgendwann klappte es dann doch noch, Sebescen flankte über die ganze Cottbuser Abwehr hinweg auf den eingewechselten Maric, der köpfelte den Ball gegen den Lauf des Torhüters ins lange Eck. 64 Minuten waren gespielt.
Klar, daß die Cottbuser sich jetzt mit mehr Schwung gegen die Niederlage und das Überwintern auf einem Abstiegsplatz stemmten, doch ihre spielerischen Mittel waren etwas begrenzt. Allerdings reichte es, um gegen eine unsichere blaue Abwehr zwei drei Großchancen herauszuspielen, die jedoch Walter gewohnt souverän entschärfte.
Auf der Gegenseite wurde für ein Lehrvideo mit dem Titel "Wie man einen Konter NICHT abschließt" gearbeitet. Bounoua wechselte bei seinen Dribblings auf der linken Seite zwischen Maus und Löwe. Kevric vergab eine gute Einschußchance, dann scheiterte Carl frei am Cottbuser Torwächter. Kurz davor hatte Toni Sailer seinen katastrophalen Tag gekrönt, als er sich nach einem (von Schiri geahndeten) Foul an ihm eine gelbe Meckerkarte abholte. Warum die Bruddler ihn allerdings bei seiner dann folgenden Auswechslung auspfiffen, muß man wohl nicht verstehen. Denn im Gegensatz zu Winkler stimmte wenigstens der Einsatz.
Kurz vor Schluß der acht(!)minütigen Nachspielzeit bekamen die Cottbuser noch einen Freistoß ca. 22 m vor dem Tor und Hoßmang hat ja von dieser Position schon öfters kurz vor Schluß getroffen. Doch diesmal siegte die Gerechtigkeit und der Ball stieg hoch in den Abendhimmel.

So bleibt als Fazit des Geisterspiels: "Schwamm drüber, Hauptsache gewonnen" und mit 26 Punkten stehen die Blauen gar nicht mal schlecht da. Der Erfolg verdeckt viele Schwächen....aber nicht so viele!

Die Meinung zum Schiedsrichter:
Ganz ordentlich, einer der wenigen Schiris, der es wagt, einen Freistoß gegen einen Torhüter wegen zuvieler Schritte zu verhängen. Gegen Ende übertrieb es er etwas mit den gelben Karten. Schwächer war da schon sein tribünenseitiger Assistent, der sich einen ganzen Stall von merkwürdigen Entscheidungen leistete.

Bruddler des Tages:
"War dr Kevric au auffem Bladds?" (zumindest sein Trikot war es)

Spruch des Tages:
"Des fangd scho a, dass mr uff rode Sidds hogga muss."


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