Ich hasse diese Freitagsspieltage, man hetzt sich ab,
um direkt von der Arbeit noch pünktlich ins Stadion zu kommen, schnappt
sich in Hektik eine Wurst, damit man den Schlaf der Spieler nicht durch
klappernde Knochen stört, sitzt kaum und hat schon zwei riesige Torchancen
der Blauen verpaßt. Nach drei Minuten hätte Maric das Spiel
schon im Alleingang entschieden haben können, doch beim ersten Versuch
der Linksscheitel und beim zweiten Versuch die Querlatte verhinderten blaue
Glücksgefühle.
Die Fürther erholten sich schnell von dem Schock
und gingen nach 10 Minuten in Führung. Ein Tor, wie es die Blauen
in dieser Saison schon (viel zu) oft gefangen haben. Man läßt
drei gute Gelegenheiten den Ball bis ins Taka-Tuka-Land (also aus der Gefahrenzone
hinaus) zu schlagen aus und letztlich steht halt ein Gegenspieler frei
und zeigt dem Ball den Weg ins Tor.
Nur 5 Minuten später verhinderte Walter noch schlimmeres
gegen einen freistehenden Fürther. Es folgte eine Halbzeit der Grausamkeiten.
Kein Selbstvertrauen, keine Bewegung, Carl übernahm vom verletzt ausscheidenden
Kevric die Mittelfeldregie und die Fürther taten nicht mehr als unbedingt
nötig.
Nach einer halben Stunde wurde es sogar dem Flutlicht
zu blöde, es schaltete sich einfach ab. Im Licht des Abendrots versuchten
die Fernsehkameras mühsam irgendeine nennenswerte Szene einzufangen,
doch außer einer wildgewordenen Rasensprenganlage ("Falscher Schalter,
Walter") passierte nichts.
Nachdem kurz vor Wiederbeginn das Flutlicht wieder anging,
zerstob die letzte Hoffnung, daß ein Spielabbruch hier noch ein paar
Punkte retten könnte. Die Blauen kamen mit etwas mehr Schwung aus
der Kabine, aber zu zwingenden Torchancen reichte es nicht. Eher zufällig
der Ausgleich in 57. Minute. Freistoß in den Strafraum, der Ball
wird abgelenkt und der fleißige, aber erfolglose Maric drosch den
Ball über die Linie.
Die Fürther lösten die Handbremse und bevor
einem angst und bange um die Blauen werden konnte, hatten sie sich die
Führung wieder geholt, 60. Minute.
Fürth verfiel wieder in seine "Die-tun-uns-eh-nichts"-Lethargie,
gelegentlich ein Konter, aber meist nur halbherzig vorgetragen standen
den unermüdlichen Angriffsbemühungen der Kickers gegenüber.
So hilflos die meist weit über Tor geschossenen Torschüsse der
Kickers aussahen, so hartnäckig berannten sie immer wieder das Fürther
Gehäuse. Als in der Nachspielzeit schon alle die Hoffnung auf ein
Happy-End aufgegeben hatten, erlöste Achim Pfuderer die Fans, in dem
er einen Freistoß per Kopf ins Tor beförderte und so wenigstens
einen Punkt rettete.
Die erste Halbzeit gruselig, die zweite immerhin kämpferisch
gesteigert, aber: warum, warum ist diese Mannschaft so verunsichert, wenn
sie nicht gleich in der ersten Minute ein Tor schießt? Den Strafkatalog
will ich nicht sehen, der sowas auslösen kann....
Die Meinung zum Schiedsrichter:
Ich habe schon schlechtere Schiris ausgepfiffen. Für
die Kickers wurden Basketballregeln, für die Fürther Rugbyregeln
angewandt. Egal, wie die Greuther Abwehrspieler um gelbe Karten bettelten,
sie bekamen sie nicht. Unterstützt wurde er von zwei schwachen Assistenten.
Schade drum.
Bruddler des Tages:
"Gebbed em an Verdraag!" (zu dem Teilnehmer am Superschuß
(Halbzeitunterhaltung, Zuschauer versuchen vom Mittelkreis aus das Tor
zu treffen und können was gewinnen), der mit dem ersten Schuß
das Tor traf und etwas gewann.
Spruch des Tages:
"Glei hole meine Sportschuh" (nach ca. 35 Min.)