25.4.99: Kickers - Karlsruher SC 2:2 (2:1), Zuschauer: 7021 (so wenig. :-()

Bombenwetter, Bombengegner und dann nur 7000, davon fast die Hälfte aus Karlsruhe, das kann doch nicht wahr sein, die letzten Ergebnisse hin oder her. Da müssen 10000 in die Hütte. Auf der angeblich ausverkauften Haupttribüne klafften jedenfalls einige Lücken. Und um allen daheimgebliebenen zu beweisen, was sie alles verpaßt hatten, legten die Blauen los wie eingesperrt und dann losgelassen und berannten von der ersten Minute an das Karlsruher Tor. Einer der Karlsruher Abwehrspieler fühlte sich dadurch so verwirrt, daß schon nach fünf Minuten seinen eigenen Torwart per Kopf nach einer Kevric-Eingabe tunnelte. Die Karlsruher rissen sich etwas mehr zusammen, aber kurz vor dem Strafraum waren sie mit ihrem Badisch am Ende. Vor allem Guie-Mien glänzte durch tolle Soli mit anschließendem Fehlpaß. Ganz anders die Kickers. Chance um Chance erspielten sie sich, Ball um Ball flog KSC-Keeper Jentzsch um die Ohren, doch das erlösende 2:0 wollte einfach nicht fallen. Nach einer halben Stunde hatte die Kickers ca. ein Dutzend guter Gelegenheiten versiebt, worauf Karlsruhe seine erste richtige Torchance herausarbeitete. Raspe verlor das Duell um die Flanke, in der Mitte kam es erst gar nicht zum Zweikampf und schon stand es 1:1. Die Kickers wirkten ein wenig geschockt, fighteten aber prima weiter. Chancen auf beiden Seiten. Kurz vor dem Wechsel dann eine Kopie der 5. Minute. Kevric drosch den Ball gefährlich nach innen und der beste Blaue, Tomi Maric, hämmerte die verkleidete Schweinsblase, ich werde nostalgisch, ok, also das Kunststoff-Spritzteil ins lange Eck.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit hatte man den Eindruck, daß beide Teams ihr Pulver in der ersten Halbzeit verschossen hatten. Die Kickers wollten nicht, 2:1 ist ja auch eine mehr als beruhigende Führung und Karlsruhe wollte auch nicht so recht, außer dem Torwart hatte es keiner der Spieler so richtig eilig. Alle 10 Minuten kamen die Kickers zu einem Konter, den sie jedoch meist kläglich vergaben (besonders Winkler glänzte als Bewegungsdiletant) und alle 10 Minuten gab es im 5-Meter-Raum der Kickers einen Tumult, der meist damit endete, daß sich Torwart Walter auf dem Ball liegend den Fußtritten der frustrierten Karlsruher Stürmer ausgesetzt sah. Trotz der Pausen hatte das Spiel immer ein gewissen Tempo, so daß keine größere Langeweile aufkam.
Wieder aus heiterem Himmel mußten die Kickers eine Viertelstunde vor Schluß den Ausgleich hinnehmen, völlig frei kam der KSC-Stürmer an den Ball und hatte wenig Mühe. Das mobilisierte sowohl KSC-Fans und -Mannschaft. Die witterten doch noch eine minimale Aufstiegschance und berannten das Kickers-Tor. Mehr als einmal drohten Kreislaufzusammenbrüche als KSC-Spieler auch beste Torgelegenheiten ausließen.

Summiert man die ausgelassenen Torchancen auf, geht das Ergebnis wohl in Ordnung, beide Mannschaften haben ein Vollstreckerproblem. Und die Kickers in 99 immer noch keinen Heimsieg. Der Abstiegsgeruch zieht leise die Tabelle hoch, doch wenn die Blauen so spielen, wie in der ersten Halbzeit, sollte einem nicht Bange sein.
 

Die Meinung zum Schiedsrichter:
Das soll ein Ersste-Bundesliga-Schiedsrichter sein? Armer DFB. Für ein Derby ließ er viel zu viel Härte zu, was Spielfeld und Ränge gleichermaßen unnötig erhitzte und zeigte auch sonst wenig Gefühl für Deeskalation und Vorteil. Schwaches Bild.

Bruddler des Tages:
"Die Hälfte von dem Einsatz heute und gegen Uerdingen gibt es einen Kantersieg."

Spruch des Tages:
"Meine Mannschaft hat das Spiel dominiert und hätte es gewinnen müssen" (KSC-Trainer Rainer Ullrich, der in der ersten Halbzeit wohl im Bewirtungszelt ein Monatsgehalt durchgebracht hatte)


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