23.5.99: Kickers - SV Hannover 96 2:2 (1:1), Zuschauer: ca. 5500

"Und da laufen sie ein, die wackeren Recken. Die Heimmannschaft der Kickers in feinen, blau-weiß gestreiften Leibchen, der weitgereiste Gegner aus Hannover in Rot und Schwarz....". So oder ähnlich hätte wohl vor 50 Jahren eine Bruddelpage angefangen, wenn es damals schon Internet gegeben hätte (Bruddler gibt es schon immer!). Noch viel weiter zurückversetzt fühlt man sich allerdings, wenn man sich das Umfeld der Kickers anschaut. Gefragt sind nicht Ideen und Wille, sondern hochherrschaftliche Entscheidungen und Jasagerei. Und so muß ein aufrechter Mann, nämlich Ex-Trainer Linz den Stuhl räumen und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit durch einen Trainer ersetzt, der in die Kategorie "netter Schwiegersohn" paßt und mit seinem, finanziell wie die Kickers stark eingeschränkten, Verein auf einem Abstiegsplatz steht.
Auch den Fans stank der Trainerwechsel und sie ermahnten ADM mit einem "kein zweites Cannstatt"-Plakat und in der Tat, gewisse Ähnlichkeiten zum Rausschmiß von Jogi Löw sind nicht zu übersehen.

Zum Spiel. Hannover 96, eigentlich der FC Erste Sahne Afrika, aufgefüllt auf 11 Spieler, hat ja noch Chancen auf den Aufstieg in die erste Liga, aber so präsentierten sie sich zunächst nur die sehr zahlreich mitgereisten Fans. Sommerfußball beherrschte die ersten Minuten. Nur der Schiedsrichter brachte mit einigen merkwürdigen Anti-Kickers-Entscheidungen etwas Wallung in das Bruddlerblut.
Eher zufällig gingen die Kickers in Führung. Adi Kevric, der einen seiner besseren Tage hatte, trat einen Freistoß direkt aufs Tor und Torwart Sievers mußte nach 24 Minuten durch seine eigene Armbeuge hindurch die bittere Erkenntnis vernehmen, daß er sich gerade etwas blamiert hatte. Völlig unbeeindruckt spielten die Hannoveraner weiter, technisch sehr hochstehend die drei Afrikaner auf dem Platz, angetrieben von einem faszinierten Otto Addo. Erstmal war aber Asamoah dran. Er wurde (nachdem der Schiri zwei Stürmerfouls generös übersehen hatte) angespielt, stoppte den Ball mit der ganz breiten Brust, pflügte in unwiderstehlicher Weise durch die Kickersabwehr und sein trockener Schuß schlug im kurzen Eck ein.
Die Kickers, sichtlich vom Druck des Abstiegs befreit, kombinierten ganz gut, brachten aber bis zur Halbzeit keine wirklich zwingenden Torchancen mehr zustande.

Direkt nach der Pause durfte sich Bernd Klaus im Tor auszeichnen, als er einen harten Freistoß um den Pfosten drehte. Wenige Minuten später saß er allerdings hilflos auf dem Hosenboden, denn wie schon beim ersten Tor hatte sich diesmal Addo einfach durch die Abwehr durchgetankt und aus 16 m kurz und trocken die Kugel versenkt.
Hannover legte sich jetzt auf faule Haut, verlegte sich auf reinen Konterfußball oder anders gesagt: sie bettelten um den Ausgleich. Die Kickers rafften sich auf und berannten mit Vehemenz das Tor der Niedersachsen. Tomi Maric, wieder agil, aber etwas glücklos, hatte gleich drei große Torchancen und der Hannoverander Keeper mußte des öfteren zum Entsetzen seines Krankenversicherungsagenten mit allen Körperteilen eingreifen, um den blauen Ausgleich zu verhindern. Auch der eingewechselte Toni Sailer konnte sich in Szene setzen. Die Hannoverander Fans spürten, daß ihre Mannschaft Hilfe brauchte, denn mehr als ein, zwei Konter zur Entlastung brachten sie nicht zustande.
Und weil es einen Fußballgott gibt und der gerecht ist, schaffte Adi Kevric, durch eine schöne Bogenlampe über die Abwehr in Szene gesetzt, den Ausgleich in der Nachspielzeit.

Das "Vision 2000 - mit Amateurtrainern zurück ins Amateurlager"-Plakat im Fanblock macht nachdenkllich. Wird die Mannschaft wirklich ein weiteres Jahr zweite Liga mit bis über das letzte Loch zugezogenem Gürtel überstehen? Oder wäre es besser gewesen, statt den Trainer zu feuern ein paar neue Sponsoren aufzutreiben? Die Zukunft wird es zeigen.
 

Die Meinung zum Schiedsrichter:
Boah, sowas ist ein Bundesligaschiedsrichter? Warum pfeifen die eigentlich immer im Waldaustadion so schlecht? In der ersten Halbzeit wurden die Blauen einige Male klar benachteiligt, vor allem der tribünenseitige Assistent murkste fleißig vor sich hin. In der zweiten Halbzeit steigerte er sich kaum..

Bruddler und Spruch des Tages:
"Dünnwald raus"-Rufe bei der Ehrung von Jürgen Klinsmann in der Halbzeitpause. Das hat der ADM im Waldaustadion, wenn überhaupt, schon lange nicht mehr gehört.


[Dem Autor die Meinung sagen]    [Mehr Bruddelkommentare][Zur Kickers-Homepage][Zurück zur Homepage]