Widrige Umstände hatten die Kickers entict. Für
die gespletzten Kevric und Maric rückten Bounoua und Carl in die Startformation.
Nachdem der ersten Düsseldorfer Torchance griffen die Kickers auch
ohne etatmäßigen Spielmacher munter an. Marell, Minkwitz und
Sebescen probierten es immer wieder über die Außenbahnen und
in der Mitte verheizten Carl und Sailer, die im Düsseldorfer Strafraum
die fast uneingeschränkte Lufthoheit hatten, die Kopfball- und sonstigen
Einschußmöglichkeiten wie eine Dampflok die Kohle. Hinten wackelte
die Abwehr in der ersten Viertelstunde bedenklich, die Zuordnungen stimmten
nicht, doch Walter behielt im Notfall das letzte Wort.
Vorne hatte Toni Sailer einen seiner besseren Tage, nach
15 Minuten spielte er vier Düsseldorfer schwindlig, doch statt selber
zu schießen paßte er auf Carl - wieder eine Torchance beim
Teufel.
Hinten hatte die Abwehrparadontose ausgespielt, da wackelte
nichts mehr. Pfuderer hatte Tare sehr gut im Griff (und zwar über
90 Minuten!), Lesniak fiel mehr durch "Ich-will-zu-Talk-im-Turm"-Diskussionsrunden
mit dem Schiri auf und vorne versiebten die Blauen weiter munter ihre Kopfbälle.
Nur durch Standardsituationen kamen die Düsseldorfer
gefährlich vors Tor, in der 30. Minute wischte der Luftzug des Balls
den Staub von Thomas Walters Handschuhen und 5 min später fiel auch
der grobe Dreck ab, als Walter in höchter Not einen Kopfball von der
Linie boxte.
Auf der Gegenseite verhinderte Carsten Marells Schwäche,
die schon seine Karriere als Basketballspieler unmöglich gemacht
hatte, das 1:0, sein Fuß war für Sailers Hereingabe einfach
zu kurz. So beendete der Schiri das muntere Treiben mit drei energischen
Pfiffen.
Im Pausentee waren offensichtlich keine leistungsveränderten
Substanzen, denn nach 5 Minuten hatte sich das Bild der ersten Halbzeit
weiter stabilisiert. Die Kickers hatten drei Torschancen vergeben, nachwievor
die besseren Kopfballspieler und Walter verhinderte eine weitere Großchance
der Rheinländer.
Nach einer Stunde wurden die Löcher auf dem Spielfeld
immer größer, die Kraft zum Zulaufen verdunstete immer schneller
in der heißen Augustsonne. Torchancen entstanden nur noch aus Stellungsfehlern
nach langen Pässen, in der Regel betrafen die Fehler die Düsseldorfer
Abwehrspieler, doch Tore wollten einfach nicht fallen.
Nach 73. Minuten fiel dann doch was und zwar Toni Sailer
der Ball vor die Füße. Toni ist halt am besten, wenn er
nur zusammenzucken muß. Cool schob er den Ball ins kurze Eck. Die
Erlösung, auch für ihn, der schon mindestens fünf Hochkaräter
in diesem Spiel vergeigt hatte.
Die Düsseldorfer versuchten sich gegen die Niederlage
zu stemmen, doch das Zentralgestirn hatte den Alt-Akku schon ziemlich ausgelutscht
und sie kamen zu keinen zwingenden Torchancen mehr. Dafür vermied
Sebescen in der 87. Minute freistehend das psychologisch
gefährliche 2:0, er wird wohl erst dann ein Tor erzielen, wenn
man den gegnerischen Torwart mit einem fokussierten Flutlichtstrahl in
ein Häufchen Asche verwandelt.
Bemerkenswert noch, daß die Düsseldorfer in
der 90. Minute einen wegen Verletzung ins Aus gespielten Ball zurückgaben.
Das macht bei diesem Spielstand nicht jede Mannschaft (gell, Leverkusen).
Unter Vernachlässigung, daß das Spiel 11:3 hätte ausgehen müssen, hatten die Zuschauer ein munteres Spiel mit dem richtigen Sieger genossen.
Die Meinung zum Schiedsrichter:
Pfiff sehr genau und bemerkenswert souverän. Sein
haupttribünenseitiger Assi sollte sich sein Bild als Beispiel übers
Bett hängen, was der an Abseitsfehlentscheidungen (zuerst gegen, dann
für die Kickers) winkte, hätte sogar in der Landesliga zu Tumulten
geführt.
Bruddler des Tages:
"Ha, du doch endlich den Sailer raus."
(Toni macht das Tor)
"Jedsd bisch abr froh, dassrn id rausgnomma hod."
"Awa, des kosch doch nemme midagugga."