Irgendwie hatte ich schon nach 120 Sekunden das Gefühl,
daß es besser gewesen wäre, zu Hause mit einem Bierchen das
STW-Finale im Fernsehen anzusehen, statt sich im lausig kalten Waldaustadion
die Zehen abzufrieren. Da hatten die Blauen zwar schon ihre erste Torgelegenheit
gehabt, aber rein gefühlsmäßig steckte der Wurm in diesem
Spiel. Der kam auch prompt nach 5 Minuten ans Tageslicht.
Der Wattenscheider Stürmer wurde angespielt, drehte
sich in Zeitlupe, für Raspe immer noch viel zu schnell, wußte
dann nicht, was er mit dem Ball machen sollte, entschied sich für
eine Rückgabe, was für Walter jedoch ebenfalls zu schnell war
und Wattenscheid führte 0:1.
Die Degerlocher rafften sich auf und versuchten, angetrieben
vom unermüdlichen Chatzis (dem saß offensichtlich der leibhaftige
Bounoua im Nacken), sich Torchancen zu erspielen.
Das klappte in den ersten 30 Minuten auch dreimal, doch
Ebse und Toni hatten entweder das Visier verstellt oder Toni verwechselte
seine Fußballstiefel mit einem Pflug und grub (völlig freistehend!)
den Rasen um.
Da hätten die Wattenscheider aber schon 2:0 führen
können, doch der Kopfball verfehlte knapp das Tor.
Die Krönung von König Sailer hätte in
der 31. Minute stattfinden können. Schön lief er seinem Gegenspieler
davon, schob den Ball 25 Meter vor dem Tor am herausgelaufenen Gästekeeper
vorbei und der Ball rollte und rollte und rollte, und Toni staunte, statt
nachzusetzen, der Ball rollte noch ein bißchen und rollte dann an
den Pfosten.
Die Wattenscheider verlegten sich jetzt aufs Zeitspiel,
dabei bettelte ihr Torhüter besonders eifrig um eine Gelbe Karte,
doch sein Flehen sollte erst in der 75. Minute erhört werden.
Mit einem verstärkten "Lieber STW gucken"-Gefühl
ging es in die Kabinen.
Die Blauen kamen motiviert aus der Kabine, doch die erste
Chance hatte Wattenscheid. Für lange Zeit sollte es die letzte Chance
der Süd-Bochumer sein, denn die Kickers packten jetzt ihre Chance
beim Schopfe und berannten das gegnerische Tor. Zunächst mit wenig
zählbarem Erfolg. Rund um die 60. Minute allerdings herrschte im Wattenscheider
Strafraum tumultartige Szenen. Binnen 5 Minuten gab es drei riesige Torchancen,
die der gut haltende Gästeschlußmann allesamt mit Reflexen entschärfte,
zweimal wurde heftigst Handspiel im Strafraum reklamiert und zwei, drei
Schüsse verfehlten knapp das Ziel.
Immer kälter wurden die Zehen und immer verzweifelter
die Angriffe. Nacheinander kamen Bounoua (der wirkte belebend), Winkler
und Aziz ins Spiel, erarbeiteten sich auch Chancen, doch ins Tor wollte
der Ball nicht.
Im Gegentum: die erste fußballerisch gelungene
und sehenswerte Aktion der Wattenscheider führte in der 89. Minute
zu Doppelpaß, Flanke, Kopfball und dem 2:0.
Das Glück, das die Blauen in den letzten Heimspielen
hatten, nämlich, daß die Gegner ihre Torchancen nicht nutzten,
die Blauen aber eben doch, genau dieses Glück hatte sie diesmal verlassen.
0:1 in Fürth, 0:2 gegen Wattenscheid, die Blauen
steigern sich....
Die Meinung zum Schiedsrichter:
Durchwachsen. Pfiff ziemlich kleinlich, brauchte immer
endlos zum Aufschreiben der gelben Karten (Zuruf aus dem Publikum: "Kerle,
nimm' en Laptop mit!"), machte aber keine spielentscheidenden Fehler.
Spruch des Tages:
Heute fiel der Spruch des Tages schon vor dem Spiel.
Ein paar A- oder B-Jugend-Fußballer, die künftigen aktiven Sportler,
steigen in der Tiefbahnhaltestelle aus der Stadtbahn aus:
"Ey, wieso haben die da keine Rolltreppe, Mann."
Bruddler des Tages:
Mein Hintermann. Selten so ein übles Exemplar eines
Bruddlers im Nacken gehabt. Dauernd am Unken, nie am Anfeuern, aber dauernd
die Gosch offen und dazu nicht mit dem geringsten Fünkchen Fußballverstand
gesegnet. Junge, komm nie wieder.