Die SSB beklagt sich
über Fahrgastrückgang..naja, wer Leute 10 Minuten auf der Strecke
stehen läßt, ohne ihnen zu sagen warum, braucht sich nicht zu
wundern, wenn die Betroffenen das nächste Mal das Auto nehmen. Drum
kam ich vor dem Spiel um mein Abendessen und war beim Anpfiff noch auf
der Suche nach einem Sitzplatz.
Keine Leistung, keine Fans - das gilt nicht nur im Fußball.
Die Kickers jedenfalls wollten sich das "keine Leistung"
auf keinen Fall nachsagen lassen und begannen schwungvoll sich ein Übergewicht
zu erspielen. Als nach 10 Minuten die Ostwestfalen zum ersten Mal vor dem
Kickers-Tor auftauchten, köpfte der überforderte Winkler (Carl
und Sailer hatte Linz auf der Bank schmoren lassen) den Ball ohne Bedrängnis
ins eigene Tor.
Ein Gefühl von Karlsruhe machte sich breit: die
Kickers dominieren das Spiel und der Gegener schießt die Tore. Doch
die Bielefelder, die meilenweit von einer Mannschaft entfernt sind, die
in der ersten Bundesliga was zu suchen hat, igelten sich ein, warteten
auf Konter und ließen die Kickers machen.
Die machten, aber sie machten nicht so richtig gut. Wohl
erkannte der Betrachter das Bemühen, aber "bemüht" ist nicht
von ungefähr unter Personalchefs eines der übelsten Schimpfworte.
Sebescen, der seit ca. zwei Spielen auf der Suche nach seiner Form des
Saisonanfangs ist, versuchte es, verlor aber immer wieder den Ball. Kevric
rackerte, fand aber keine Abnehmer für seine Bälle und Maric
schrieb fleißig am Kapitel "Ein Mann auf der Suche nach der Spielpraxis."
Bis zur Pause sprang trotz einer unsicher wirkenden Arminen-Abwehr
nichts wesentlich zählbares heraus, im Gegentum. Thomas Walter mußte
gegen Labbadia Kopf und Trikotfarbe riskieren, um den Rückstand in
Grenzen zu halten.
Fünf Minuten brauchten die Blauen nach der Pause,
um den Schwung der ersten Hälfte wieder aufzunehmen. Dies gipfelte
nach einer knappen Stunde in einem Pfostenschuß.
Mit Toni Sailer kam erst Schwung in die Ränge, dann
aufs Spielfeld. Der Druck auf die Bielefelder Abwehr erhöhte sich
mit jeder Minute und in der 65. gab das Überdruckventil endlich nach.
Einen Kevric-Eckball verwandelte der am langen Eck vergessene Malchow endlich
per Kopf. Aber nicht genug, die Blauen packten noch einen drauf. Toni Sailer
wurde wunderschön freigespielt, rannte seinem Gegner davon und drosch
den Ball ohne viel Nachdenken (nur so!) ins lange Eck. Das Stadion stand
kopf (das gibt's sogar im meist eher beschaulich vor sich hin bruddelnden
Waldaustadion!).
War es der Kräfteverschleiß der Aufholjagd?
War es die Selbstzufriedenheit über die Führung? War es einfach
mangelnder Kampfgeist? Die Kickers ließen jetzt jedenfalls locker
und die Bielefelder, die vorher nicht einmal eine 5-gegen-2-Überzahlsituation
zu einem Konter nutzen konnten, nahmen Witterung auf und berannten das
Kickers-Tor.
Nach 78 Minuten luden Walter und Raspe den Gegner durch
falsche Stellungsspiel geradezu zum Toreschießen ein und die Bielefelder
ließen sich nicht lange bitten, das 2:2.
Irgendwie hatten die Blauen jetzt genug und brachten
das Unentschieden mehr schlecht als recht über die Bühne, Bielefeld
hatte die besseren Möglichkeiten in der Schlußphase, allerdings
gab es auf beiden Seiten keine zwingenden Gelegenheiten mehr.
Naja, immerhin ist der Abwärtstrend der letzten drei Niederlagen gestoppt und die Einstellung der Mannschaft stimmt auf jeden Fall. Nur Paule Linz muß sich fragen lassen, welche Tomaten er bei der Verpflichtung der beiden neuen Stürmer auf den Augen hatte....
Die Meinung zum Schiedsrichter:
Saubere Leistung, ließ viel laufen, pfiff souverän.
Da kannste nicht bruddeln...
Spruch des Tages:
"Der Labbadia isch so schwach, den kannsch grad no noch
Wäldenbronn nuffschicken."
Bruddler des Tages:
"Der wird ned ohne Grund drei Johr en Bochum auf der
Bank gsessa sei", als Danny Winkler mal der Ball versprang.