Immerhin drei Zuschauer mehr als letztes Mal wollten den
Tabellenführer sehen, bei kaltem, später auch noch nassem Wetter
treibt es halt nur die harten Kickers-Fans vor die Tür.
Die, die sich nach Degerloch getraut hatten, sahen eine
ziemlich einseitige Partie, schon nach 6 Minuten hatten die Kickers schon
zweimal das gemacht, was sie in dieser Saison am besten können, nämlich
klare Torchancen vergeben. Die erste Halbzeit bot dann ein an Höhepunkten
armes Spiel mit fernsehturmhoch überlegenen Kickers und nicht mal
zum Konter motivierten Hachingern, denen das 0:0 offensichtlich völlig
genügte. Spiel nach vorne fand bei den Münchner Vorstädtern
nicht statt und wenn, dann erschreckend harmlos, daß man sich fragte,
wann sie denn das erste Tor ins Kickers-Gehäuse duseln würden.
Doch das Duseln fand nicht statt, die Kickers bemühten
sich um Torchancen, ohne wirklich zwingend zu werden.
Die Hachinger kamen zur zweiten Halbzeit wesentlich munterer
auf den Platz und erarbeiteten sich ein paar Eckbälle, ohne jedoch
wirklich zwingende Chance herauszuarbeiten. Langsam neigte sich das Pendel
wieder auf die Seite der Blauen (langweilig das Gebruddel, gell, aber es
passierte wirklich nicht viel). Linz wechselte für den hüftsteigen
Sailer den hüftsteifen Winkler ein und ersetzte den unauffälligen
Marell durch den unauffälligen Bounoua.
Immer wieder frickelten sich die Kickers in die Nähe
des Hachinger Tores und immer wieder gelang den geschickt verteidigenden
Bayern, den Ball wieder aus dem Strafraum zu befördern, so daß
letztenendes der Zufall (oder der Nieselregen) helfen mußte.
Nach einer Flanke ließ in einem Luftkampf mit Maric
der Hachinger Torwart den Ball fallen und Winkler drückte das aufs
verwaiste Tor trudelnde Leder in der 71. Minute endgültig über
die Linie. Nach einem kurzen Zittern, ob der in der zweiten Halbzeit abbauende
Schiedsrichter nicht Stürmerfoul pfeifen würde, freute sich das
Stadion über die längst verdiente Führung.
Die Hachinger verstärkten jetzt ihre Bemühungen,
mal den gegnerischen Strafraum zu erreichen, die Kickers trainierten ein
bißchen das Konterspiel. Und das hatten sie auch bitter nötig.
Wie sonst ist es zu erklären, daß Winkler eine 4:2-Überlegenheit
einfach dadurch entschärfte, daß er den Paß, der ihm nicht
galt, abfing und dann noch den anderen Kickersspieler an der weiteren Vorwärtsbewegung
hinderte oder daß Maric trotz fünf Meter Vorsprung den Lauf
des ihn schnell einholenden Gegners kreuzte statt nach außen auszuweichen.
Hätte der in der zweiten Halbzeit zusammen mit Chatzis
beste Kickers, Minkwitz, in der Nachspielzeit nicht alle ihm wichtigen
Körperteile in die Waagschale geworfen, hätte sich das katastrophale
Konterspiel fast noch gerächt, als ein Unterhachinger im Kickers-Strafraum
frei zum Schuß kam.
So aber blieben die Punkte auf der Waldau und die Erkenntnis,
daß das Stürmerproblem der Kickers immer noch nicht gelöst
ist und wohl auch nicht so leicht zu lösen ist.
Die Meinung zum Schiedsrichter:
In der ersten Halbzeit souverän, ließ er dann
ziemlich nach, pfiff hektisch und ein wenig divenhaft. Z.B. ließ
er nach dem Tor den eigentlich bereiten Maric erst dann aufs Spielfeld
als die Hachinger bereits wieder angestoßen hatten. Selbst wenn das
so in der Regel steht, jeder 55-jährige Beamte ist flexibler (ok,
fast jeder).
Bruddler des Tages:
"Jetzt kommt no Riggawend. No werrad mr besser."
(Zweifelnd) "No bessr?"