22.11.98: Kickers - SSV Ulm 1846 1:2, Zuschauer: 8421

Das Wetter ist kein Grund, nicht ins Stadion zu gehen, wenn denn der richtige Gegner kommt. Zum Lokalderby füllte sich das Stadion trotz eisiger Kälte so richtig kräftig mit Fans beider Teams. Die freuten sich alle auf das Spiel und die 25 Akteure freuten sich auf die Lotterie "schneebedeckter Boden".
Schon nach 4 Minuten hätten die Kickers die Verwirrung der als Kanarienvögel getarnt angetretenen Ulmer Spatzen ausnutzen können, doch Danny Winkler kam völlig freistehend nicht an Torwart Lauk vorbei. Nach 10 Minuten hatte dann Toni Sailer eine klare Kopfballchance, doch auch er verfehlte knapp. Das alte Drama der ausgelassenen Torchancen verfolgte die Kickers also auch heute und sollte spielentscheidend sein.
Die Ulmer, angetrieben vom im polnischen Kontinentalklima auf schneebedeckten Böden großgewordenen Ex-Blauen Gora, übernahmen jetzt das Kommando und stellten die Kickers-Abwehr das ein oder andere Mal vor arge Probleme, ohne jedoch so richtig zwingende Torchancen zu erspielen. Die Kickers versuchten mit ausgefeiltem Kick & Rutsch mehr schlecht als recht dagegenzuhalten. Dafür sorgte der Schiri für Farbe, erst zeigte er Malchow gelb für einen umgetretenen Ulmer, Toni Sailer ließ sich nicht lumpen und räumte für die Karte gleich zwei Donauschwalben ab. Das Spiel lief jedoch weitgehend fair ab.
Eine feine Einzelleistung von Kevric brachte dann die Führung für die Blauen, er setzte sich einfach mal auf dem rechten Flügel durch, in der Mitte tanzte Sailer (ja, elegant auf glattem Boden) mit dem Ball seinen Gegenspieler aus und schob die Kugel nach 38 Minuten ein. Die Ulmer antwortetem mit verstärktem Druck, doch die Blauen brachten das Ergebnis mit in die Kabine.

Aus eben dieser Kabine erschienen die Ulmer etwas später und sie hatten damit die Blauen wohl auch erfolgreich eingeschläfert, denn die zweite Halbzeit begann ruhig, zu ruhig. Die Kickers warteten ab und die Ulmer holten langsam aber gründlich aus. Sie gewannen die Kopfballduelle im Mittelfeld und brachten den den Minkwitz leider nicht gut vertretenden Santl mehr und mehr in die Bredouille.
Nach 58 Minuten schlugen sie das erste Mal zu, Freistoß von links von Trkulja, keine Mauer, keine Zuordnung in der Abwehr, kein Torwart, der das Risiko des Herauslaufens auf glattem Boden auf sich nahm und die Ulmer versenkten den Kopfball zum (grummel, grummel, zugegebenermaßen verdienten) 1:1.
Nur 7 Minuten später der KO. Ein lange Hereingabe verfehlte Freund und Feind, bis eben auf den zweiten Fußballrentner der Ulmer, den 37-jährigen Trkulja, der nur den Fuß hinhalten mußte, um die Ulmer in Führung zu bringen.
Nicht die daß die Blauen das Spiel nicht mehr hätten umbiegen können, obwohl sie auf dem schwer bespielbaren Boden viel Kraft gelassen hatte. Sie versuchten es mit allem, was sie noch zu geben hatten, und Toni Sailer hatte die 125%ige Torchance, als er nach einem platzbedingten Ulmer Abwehrfehler alleine auf Lauk zustrebte, doch er brachte den Ball eben nicht ins Tor.
In der Nachspielzeit strichen noch einmal zwei Bälle haarscharf am Ulmer Tor vorbei, bevor die Gäste jubeln konnten.
Bleibt noch das Postulat der zweiten Liga zu formulieren: "Wer Ulm schlagen will, muß einfach drei Tore schießen" und zu fordern, daß einer der S-Klasse-Fahrer-Edelfans auf dem Kickers-Gelände endlich mal einen Stürmer a la Ronaldo spendiert. :-)

Die Meinung zum Schiedsrichter:
Schwach, selbst wenn man ihm den rutschigen Boden als Bonuspunkt gibt, er pfiff unmotiviert, kleinkariert, Dinge, die nicht zu pfeifen waren. Auch seine Assistenten stellen sich nicht wesentlich besser an und wanken massenweise merkwürdige Abseitsstellungen und Einwürfe für die falsche Mannschaft. Benachteiligte allerdings beide Mannschaften gleichmäßig.

Bruddler des Tages:
Über den guten Gora: "Du hoschd scho domols nigs könna."

Spruch des Tages:
"Wechsel doch den Aziz ein, der läuft, damit ihm warm wird und man sieht ihn wenigstens."


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