Schon am ersten Spieltag hatten die Blauen ja kräftig
für Bruddelpotenzial (jaja, die neue Rechtschreibung, nein, das fange
ich doch lieber nicht an) gesorgt, als sie sich von einem Aufsteiger mit
1:4 abbürsten ließen, einem Aufsteiger, der zu allem Überfluß
am zweiten Spieltag selbst mit 0:5 abgebürstet wurde.
Müde begann das Spiel und man hatte viel Zeit, sich
mit den Umsitzenden über die Neuigkeiten der Saison zu unterhalten,
z.B. über die sehr gesunden Eintrittspreise für das Pokalspiel
gegen Dortmund.
Nach 12 Minuten endete die Ruhe im Stadion schlagartig.
Nach dem zweiten dummen Handspiel binnen 5 Minuten flog ein Hamburger vom
Platz, geradezu genüßlich zog der Schiri die rote Karte. In
die Konfusion in der Pauli-Abwehr hinein flog der Freistoß und als
alle, inklusive des Torhüters, den Ball verpaßt hatten, nickte
Sailer dankend zum 1:0 ein.
Statt aber jetzt nachzusetzen, die Verwirrung zu nutzen,
einen dritten Stürmer zu bringen, spielten die Blauen gemütlich
weiter, ließen den Norddeutschen, die immer wieder den Rekord aus
Entfernung und Fanzahl im Waldaustadion aufstellen, Zeit, ihre Abwehr neu
zu organisieren und sich auf die Taktik (welche Taktik) der Blauen einzustellen.
Zwei Chancen hatten die Kickers in der ersten Halbzeit
noch, doch der motivierte, aber glücklose Maric brachte den Ball nicht
im Gehäuse unter.
Die zweite Halbzeit begann wie erwartet, hatte doch gerade
noch einer der Bruddler "Jetzt wäre es eigentlich Zeit für das
1:1" vor sich hingemurmelt. Aus einer Ecke heraus, ganz einfach,
vom kurzen Pfosten verlängert und am langen Pfosten eingenickt, glich
St. Pauli nach 47 Minuten aus.
Nicht, daß das zu größeren Aufbäumaktionen
geführt hätte. St. Pauli überließ den Kickers das
Feld und die hatten mit der Eigeninitiative große Schwierigkeiten.
Und wenn denn mal der letzte Paß einen Blauen erreichte, glich der
Torschuß eher einer Rückgabe oder ging im Getümmel unter.
Im Gegentum, der Angsthasenfußball der Kickers eröffnete den
Jungs von der Waterkant immer wieder riesige Torchancen. Zwischen der 55.
und der 70. Minute hatte Pauli wenigstens vier klare Einschußmöglichkeiten,
einmal mußte Ramovs den Ball für seinen geschlagengen Goalie
von der Linie kratzen. Wenn die Kickers mal gefährlich vor dem Pauli-Tor
auftauchte, war es fast immer nach schönen Vorlagen des sehr guten
Cassio.
Als eigentlich alle auf der Tribüne schon wieder
der Frust gepackt hatte, die arg verfrühten Phantasien von der Regionalliga
Gestalt annahmen und man nur noch über den Zeitpunkt des 1:2 spekulierte,
spielte der eingewechselte Blessin auf den eingewechselten Carl, der bewies
sehr viel Übersicht, paßte quer statt selbst zu schießen
und Kevric markierte in der 83. Minute das 2:1.
Die wütenden Angriffe der Hamburger überstanden
die Kickers, nur Maik Kischko wurde seiner Rolle als Entertainer und Herzschrittmacherbeschleuniger
gerecht, als er im Strafraum einen Ball fallen ließ.
So bleibt als Fazit, daß der Sieg gegen 10(!) Hamburger eher glücklich zustande kam, daß sich gegenüber letztem Jahr außer der Lochgröße in der Abwehr leider gar nichts geändert hat (wo bleibt die Handschrift eines neuen Trainers) und daß es gegen Gegner mit etwas mehr Format sicherlich alles andere als lustig werden wird.
Die Meinung zum Schiedsrichter:
Pfiff in der ersten Halbzeit sehr konsequent nach den
neuen Regeln, doch in der zweiten Halbzeit verließ ihn etwas das
Glück. Gehörte dennoch zu den besseren Akteuren auf dem Platz.
Bruddler des Tages:
Über Adi Kevric: "Der spielt wie der Möller,
nur schlechter"
Spruch des Tages:
Nach dem dritten Handspiel binnen 15 Minuten durch Paulianer:
"Ganged doch nach Flensburg dsom Handball".