Hey, klasse, gegenüber dem Bruddler von Aachen hält sich der Änderungsaufwand in Grenzen. Ok, das Wetter war viel besser (der erste richtige Frühlingstag) und es waren viel mehr Zuschauer da (und die waren nicht nur aus Köln), aber der Spielverlauf war praktisch identisch.
Die erste Halbzeit dümpelte etwa 15 Minuten vor sich
hin, als die Blauen erstmal das Kommando übernahmen. Binnen 5 Minuten
erspielten sie sich zwei große Torchancen, beide Male rannte ein
Blauer mehr oder weniger frei aufs Tor zu, doch sowohl Cassio als auch
Kevric schossen viel zu schwach und auch noch am Tor vorbei. Kurz danach
fummelte sich Maric durch den Strafraum, aber der Riß am Trikot war
nicht authentisch genug für einen Elfer.
Von den Kölnern war außer einer Vielzahl von
erkämpften Eckbällen herzlich wenig zu sehen. Ziemlich pomadig
agierten die Rheinländer, was ihren Trainer Ewald "Ich schreib einen
Roman pro Spiel" Lienen sicherlich nicht gefiel.
Auf der anderen Seite bettelte Michael Kümmerle
vergeblich eine ganze Halbzeit lang um seine baldige Auswechslung und auch
Mustafa Özkan hätte in der Halbzeit besonderer Behandlung durch
den Trainer bedurft; hätte er kurz vor der Halbzeit den mutterseelenallein
im Strafraum herumfuchtelnden Kevric nicht übersehen, die blaue Führung
wäre unvermeidlich gewesen. Die Blauen im ersten Abschnitt also klar
besser, aber halt wieder kein Tor.
Nach der Halbzeit bewies Pele Wollitz, daß er langsam
doch zum alten Eisen gehört. Einen Totalausfall der Kickers-Abwehr
konnte er für einen gemütlichen Marsch zum Torwart nutzen, aber
bei Klaus war dann doch Endstation. Das wäre ihm früher nicht
passiert. Doch die Kölner konnten sich die Großzügigkeit
leisten. Kümmerle bedankte sich nach 57 Minuten für seine
Nichtauswechslung, in dem er seinem Gegenspieler den Raum gab, den der
benötigte, um die an Freund und Feind vorbeigerauschte Flanke am langen
Pfosten über die Linie zu drücken, 0:1.
Die Blauen bissen zurück, aber halt nur mit den
dritten Zähnen. Wenig zählbares sprang aus den Aktionen heraus.
Einzig Özkan bot eine feine Einzelleistung, doch sein Schuß
nach eleganter Annahme fand seinen Meister beim Kölner Keeper. Kümmerle
wurde ausgewechselt, zu spät.
Auf der anderen Seite probierten es die Kölner nur
noch mit Kontern und wurden dabei auch noch vom sonst guten Bernd Klaus
unterstützt. Einen relativ harmlosen Kopfball nach einer langen Flanke
boxte der Kickers-Schlußmann ins eigene Tor. Tja, wenn man bei tiefstehender
Sonne keine Kappe aufsetzt....., 0:2 (73.)
Wie gegen Aachen also zwei Tore Rückstand in der
letzten Viertelstunde und wie gegen Aachen sah das Aufbäumen nicht
richtig wie ein Aufbäumen aus. Die Kölner lauerten nur noch auf
Konter, vergaben diese aber meist kläglich oder scheiterten an Klaus.
In der 80. Minute wurde Maric im Strafraum umgerissen
und der Schiri zeigte auf den Punkt, die Fans schöpften Hoffnung.
Maric mußte zweimal das Leder im Netz versenken, bis der schwache
Leiter des Spiels zufrieden war, 1:2 und noch 10 Minuten mehr Zeit,
das Ergebnis zu korrigieren als gegen Aachen.
Doch die Blauen schafften es wieder nicht. Bei den Kölnern
wackelten die Knie ganz gewaltig, doch wieder fehlte der letzte Biß
in der Schlußphase, wieder wurden planlose Flanken hinter das Tor
geschlagen, wieder schien der Druck des Siegenmüssens die blauen Beine
zu lähmen.
Und weil die Tabellennachbarn gerade alle fleißig am Gewinnen sind, wird diese Niederlage wohl der Anfang der Abschiedstournee "Zweite Liga" der Kickers gewesen sein. Es ist irgendwo nicht gerecht, denn die Kölner waren nicht besser, nur cleverer, aber wer nicht trifft, schaut eben im nächsten Jahr nach oben. Trösten können sich die Kickersfans mit der Tatsache, daß, wenn der Toni Sailer bei Sandhausen so weiter trifft, es im nächsten Jahr ein Wiedersehen mit dem ehemaligen blauen Fußballsch^H^H^Hgott geben wird.
Die Meinung zum Schiedsrichter:
Penibel, aber inkonsequent, zeigte mindestens zwei Karten
wegen Meckerns, ließ aber einige Sensen hüben wie drüben
ungeahndet - der Platz für eine Operndiva ist auf der Bühne,
nicht auf dem Rasen.
Bruddler des Tages:
Als die Kölner Fans nach dem 0:1 das "Nie mehr 2.
Liga" anstimmen: "Oigedlich sodda mr jedsed midsenga..."
Spruch des Tages:
Nach der Auswechslung von Cassio: "An rächdr Bräsident
däd jedsed dr Feichdabeinr auswäggsla."