Hey Leute, das war ein Derby. Vor allem der Besuch aus Mannheim lies zu wünschen übrig, was vermutlich mal wieder der DSF-Anstoßzeit um 19 Uhr zu verdanken war. Freitag abends ist die A8 halt kein Spaß.
Kein Spaß war auch, was sich in den ersten 5 Minuten
auf dem Platz abspielte. Die Mannheimer waren nicht völlig wach aus
der Kabine gekommen und einer schaffte es gleich, seinen eigenen Torwart
mit einem Kopfball zu überspielen. Leider wollte Tomi Maric den Ball
elegant ins Tor sperren und so wurde seine Inkonsequenz mit einem Flug
über die Torlinie und der vergebenen Chance auf eine frühe Führung
bestraft. Auf der anderen Seite mußte man tief durchatmen, weil die
Mannheimer zwar geladen aber zum Glück nicht scharfgestellt hatten.
Dafür trafen sie unseren Torhüter Ramovic umso
präziser, gleich zweimal wurde der in der ersten Halbzeit beim Rauslaufen
resolut getreten, was erst beim zweiten Mal eine gelbe Karte für Mannheims
schwarze Perle zur Folge hatte.
Überhaupt legten die Mannheimer einen nickeligen
Stil an den Tag, versteckte Fouls prägten das Bild, die Blauen merkten
was Sache war und begannen, solche Fouls weidlich auszunutzen. Leider vergaßen
sie darüber das Fußballspielen und so gewann Mannheim im Laufe
der ersten Halbzeit ein deutliches Übergewicht. Unverständlich
allerdings die rauhe Gangart, denn die technisch bessere Mannschaft waren
sie ohnehin und auch körperlich hatten die Mannheimer, vor allem beim
Kopfball, deutliche Vorteile. In zwingende Torchancen konnten sie das aber
nicht umsetzen, außer ein bis zwei Schüssen, die das Tor knapp
verfehlten, sprang nichts heraus. Die Kickers, mit nur Maric in der Spitze,
spielten eher wie eine Auswärtsmannschaft.
In der zweiten Halbzeit drohte das Spiel weiter zu eskalieren.
Immer wieder wälzte sich ein Blauer auf dem Rasen und ein Mannheimer
hob die Hände und zuckte die Schultern. Die Aggression schien allerdings
auf der Tribüne stärker wie auf dem Rasen. Den Höhepunkt
des Antifußballs stellte in der 57. Minute das völlig unnötige
Foul des Mannheimer Afrikaners dar, der mit drei Meter Anlauf Ramovic im
Fünfmeterraum ins Kreuz sprang und sich so verdient seine gelb-rote
Karte abholte.
Die Mannheimer zogen sich in Unterzahl etwas zurück
und die Kickers begannen, in ihrer unnachahmlich ungeschickten Art, das
Tor zu berennen. Chancen ergaben sich mehr aus Zufällen, so wie bei
Adis Pfostenschuß, als der Ball schon verloren war, aber irgendwie
wieder zum Schützen gelangte, doch aus 20 m Entfernung ist das Tor
halt doch nicht mehr so breit.
Mannheim hatte vielleicht zwei, drei Kontermöglichkeiten,
doch sie nutzen ihre spielerischen Vorteile einfach nicht aus. Im Gegenteil,
trotz der Unterzahl rückten sie immer wieder weit auf und ermöglichten
den Kickers so schnelle Angriffe nach Kevric-Steilpässen.. In der
83. Minute erlief sich der von Glücksgöttin Fortuna begünstigte
Stepanovic eingewechselte Carnevale, umspielte alles, was nach Mannheimern
aussah und schob cool aus spitzem Winkel den Ball zum 1:0
ins Tor. Die Mannheimer griffen wütend an, ihnen hätte das Unentschieden
genügt. Die Strafe folgte auf dem Fuß, wieder ein schneller
Angriff der Blauen, diesmal über rechts, ein Zuckerpaß von Kevric
und Carnevale mußte nur noch den Schlappen hinhalten, 2:0
(85.). Da stürmten die ersten frustrierten Mannheimer bereits
aus dem Stadion. Sie verpaßten den Höhepunkt der Kickers-Glückseligkeit,
als in der 90. Minute Maric eine Flanke per Kopf zum 3:0
versenkte.
Stepi ist ein Glückskind, denn solche Spiele hätten die Blauen vor Monatsfrist noch mit 0:1 verloren. Aber die Heimpunkte alleine werden nicht ganz reichen, um den Abstieg zu vermeiden, den die Konkurrenz im Tabellenkeller gewinnt erfahrungsgemäß in den letzten Spielen wie blöde. Eine kleine Hoffnung auf ein weiteres Jahr zweite Liga bleibt allerdings.
Die Meinung zum Schiedsrichter:
Als Bundesligaschiri sollte er mit einem derart emotionsgeladenen
Spiel etwas souveräner umgehen. Einen Teil der Hektik hat er auf seine
Kappe zu nehmen, weil er viele der Nicklichkeiten auf beiden Seiten nicht
konsequent ahndete. Ansonsten aber eine der besseren Darbietungen dieses
Jahr.
Bruddler des Tages:
"Also nicht mal in Mannheim werden die gegenerischen
Spieler so beschimpft" (ein Waldhof-Fan nach 70 Minuten)
Spruch des Tages:
"Die lasset ons net gwinna." (nach 20 Minuten)