30.4.00: Kickers - Fortuna Köln 2:1 (0:1), Zuschauer: 6431

Mal wieder ein Spiel zum schneller altwerden bei schönem Frühlingswetter im Waldaustadion. Abstiegsduelle gegen direkte Wettbewerber sind ja immer was besonderes, aber heute wurden die Fans wirklich hart auf die Probe gestellt. Doch der Reihe nach.

Die Kickers begannen gut, aber auch die Kölner versteckten sich keineswegs. Sie wollten ihre kleine Chance auf den Klassenerhalt ergreifen und spielten, angetrieben von ihren guten Technikern, fleißig mit. Die Blauen gewannen aber schnell das Übergewicht. Da sie jedoch mit nur einem Stürmer (Maric, wer sonst?) angetreten waren, blieben Torchancen Mangelware. Auf der linken Seite war Cassio seinem Kölner Gegenspieler klar unterlegen und rechts brachten Marell und Ziegner auch nicht das letzte Quäntchen Druck nach vorne. So blieben ein Direktschuß von Kevric und ein Schuß und ein Kopfball nach Standard die einzigen Möglichkeiten. Schlimmer noch, der Spielfaden der Kickers riß Mitte der ersten Halbzeit.
Erst der Schiedsrichter brachte nach einer halben Stunde wieder Farbe ins Spiel. Der gerade zuvor verwarnte Kölner griff nochmal beherzt von hinten zu und sah gelb-rot. Auf der Tribüne rieben sich alle die Hände, hatten die Kickers unter Stepi doch alle bisherigen Heimtore gegen 10 Mann geschossen und waren hinten sauber geblieben. Doch in Stuttgart endete heuer nicht nur die Serie von Dortmund, sondern auch die stehende Null der Kickers. Marell gab seine Bewerbung zum ungeschickstesten Abwehrspieler des Jahres ab, legte dem Gegner sogar den Ball nochmal quer und es stand 0:1 (31.).
In den Folgeminuten berannten die Blauen das Tor der Kölner mit Macht und der Schiri zeigte seinen gelben Karton fleißig an die diversen Gästespieler. Deren Trainer Krankl hatte dann genug und meckerte sich auf die Tribüne.
Die Zuschauer forderten mit Macht den zweiten Stürmer (Carnevale, wer sonst?), doch ohne Auswechslung und ohne Tor ging es in die Kabine.

In der Pause mußte Stepi den Kickers-Kessel ganz schön aufgeblasen haben. Mit ungeheurem Druck kamen die Kickers aus der Kabine und es dauerte keine 5 Minuten bis die Kölner hinten einknickten. Schöner Flankenlauf von Marell (simmer wieder gut) mit Maßflanke auf den Kopf von, na, genau, Tomi Maric und der Ausgleich war geschafft, 50. Leider ging es nicht so weiter. Aus irgendeinem Grund wurden die Blauen hektisch und nervös. Sicherlich war auch der Schiri mitschuldig, der immer wieder durch kuriose Entscheidungen für Unruhe sorgte. Die Kölner verzögerten obendrein geschickt das Spiel, so daß es nur wenige Torchancen für die Kickers gab. Die beste vergab der gerade frisch eingewechselte Carnevale nach ca. 62 Minuten, als nach schönem Paß in den Rücken der Abwehr das Tor knapp verfehlte. Auf der Gegenseite hatten die Kölner noch zwei, drei halbe Torchancen, aber die Unterzahl setzte ihnen hart zu.
Es wurde mal wieder Zeit für einen Auftritt des Schiris.Ein frisch eingewechselter Kölner grätsche Kevric von hinten ab und sah nach 78 Minuten direkt rot. Nunja, hart, aber ungerecht.
Gegen 8 Kölner Feldspieler packten die Kickers jetzt leider statt ihres Denkeisens die Brechstange aus. Die Angst vor dem Abstieg lähmte das kreative Potential. Teilweise schon kurios wie die Flanken in der Schlußphase über den Kölner Strafraum segelten, von links nach rechts, von rechts nach links und wieder zurück nach rechts. Für den finalen Paß und den Abschluß fehlten die Nerven. Und so ging es dahin bis zur 90. Minute. Carnevale wuchsen zwei Hörner und wie ein Stier tankte er sich links in den Strafraum. Ein Kölner ging dazwischen und der Schiri pfiff - Elfmeter. Im anschließenden Tumult flog der dritte Fortune vom Platz, aber viel wichtiger war: wer würde antreten? Maric hatte zu letzt verfehlt.
Doch eben Tomi Maric übernahm die Verantwortung und alle hielten den Atem an. Torhüter Ramovic kniete auf seiner Sechszehnmeterlinie, die Auswechselspieler konnten gar nicht hinsehen. Maric kompensierte seine Angst mit Kraft, drosch den Ball einfach in die Mitte und wurde mit dem 2:1 belohnt, 90. Danach pfiff der Schiri gar nicht mehr an und brachte die Kölner so um die eigentlich notwendige dreiminütige Nachspielzeit.

Drei rote Karten, zahllose gelbe, nein, so hart wie der Schiri das Spiel machte war es nicht gewesen. IIm Gegenteil, die Kölner gehörten zu den besseren Gästemannschaften. Aber den Rheinländern fehlt es an Brechern, die feinen Tricks ihres dunkelhäutigen Mittelstürmers sind zwar schön anzusehen, aber im Abstiegskampf wenig effektiv. So holten die Blauen drei ganz, ganz, ganz wichtige Punkte. Dank der anderen Tabellenkellerkinder, die alle patzten, verließen die Kickers zum ersten Mal seit Wochen wieder die Abstiegsränge. Die vielen (endlich!) Zuschauer feierten die Mannschaft und besonders Trainer Stepanovic und bei allen wuchs die Hoffnung auf den Klassenverbleib mal wieder ein bißchen.
 

Die Meinung zum Schiedsrichter:
Au Backe. Die Kölner sollten ihren Anwalt fragen, bevor sie was zu oder über ihn sagen. Trotz Kartenflut mangelte es an Autorität, gegen Mitte der zweiten Halbzeit verlor er völlig die Übersicht (wie kann ein Spieler, der von hinten getreten wird, ein Stürmerfoul begehen?) und am Schluß betrog er die Fortunen noch um die Nachspielzeit. Eine gewisses Übergewicht der zahllosen merkwürdigen Entscheidungen zugunsten der Kickers kann angesichts dreier Platzverweise für Köln nicht bestritten werden.

Bruddler des Tages:
"Also spielerisch isch des schwach. Mir hend se Wondr was vrdsehld" von der Nervensäge von einem VfB-Fan hinter mir (wer bringt die eigentlich immer mit?).

Spruch des Tages:
Zum Besuch des VfB-Präsidenten: "Was machdn dr MV do, hodr endlich amol a Schduagardr Mannschafd siaga säha wella?"


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