Mal wieder ein Spiel zum schneller altwerden bei schönem Frühlingswetter im Waldaustadion. Abstiegsduelle gegen direkte Wettbewerber sind ja immer was besonderes, aber heute wurden die Fans wirklich hart auf die Probe gestellt. Doch der Reihe nach.
Die Kickers begannen gut, aber auch die Kölner versteckten
sich keineswegs. Sie wollten ihre kleine Chance auf den Klassenerhalt ergreifen
und spielten, angetrieben von ihren guten Technikern, fleißig mit.
Die Blauen gewannen aber schnell das Übergewicht. Da sie jedoch mit
nur einem Stürmer (Maric, wer sonst?) angetreten waren, blieben Torchancen
Mangelware. Auf der linken Seite war Cassio seinem Kölner Gegenspieler
klar unterlegen und rechts brachten Marell und Ziegner auch nicht das letzte
Quäntchen Druck nach vorne. So blieben ein Direktschuß von Kevric
und ein Schuß und ein Kopfball nach Standard die einzigen Möglichkeiten.
Schlimmer noch, der Spielfaden der Kickers riß Mitte der ersten Halbzeit.
Erst der Schiedsrichter brachte nach einer halben Stunde
wieder Farbe ins Spiel. Der gerade zuvor verwarnte Kölner griff nochmal
beherzt von hinten zu und sah gelb-rot. Auf der Tribüne rieben sich
alle die Hände, hatten die Kickers unter Stepi doch alle bisherigen
Heimtore gegen 10 Mann geschossen und waren hinten sauber geblieben. Doch
in Stuttgart endete heuer nicht nur die Serie von Dortmund, sondern auch
die stehende Null der Kickers. Marell gab seine Bewerbung zum ungeschickstesten
Abwehrspieler des Jahres ab, legte dem Gegner sogar den Ball nochmal quer
und es stand 0:1 (31.).
In den Folgeminuten berannten die Blauen das Tor der
Kölner mit Macht und der Schiri zeigte seinen gelben Karton fleißig
an die diversen Gästespieler. Deren Trainer Krankl hatte dann genug
und meckerte sich auf die Tribüne.
Die Zuschauer forderten mit Macht den zweiten Stürmer
(Carnevale, wer sonst?), doch ohne Auswechslung und ohne Tor ging es in
die Kabine.
In der Pause mußte Stepi den Kickers-Kessel ganz
schön aufgeblasen haben. Mit ungeheurem Druck kamen die Kickers aus
der Kabine und es dauerte keine 5 Minuten bis die Kölner hinten einknickten.
Schöner Flankenlauf von Marell (simmer wieder gut) mit Maßflanke
auf den Kopf von, na, genau, Tomi Maric und der Ausgleich
war geschafft, 50. Leider ging es nicht so weiter. Aus irgendeinem
Grund wurden die Blauen hektisch und nervös. Sicherlich war auch der
Schiri mitschuldig, der immer wieder durch kuriose Entscheidungen für
Unruhe sorgte. Die Kölner verzögerten obendrein geschickt das
Spiel, so daß es nur wenige Torchancen für die Kickers gab.
Die beste vergab der gerade frisch eingewechselte Carnevale nach ca. 62
Minuten, als nach schönem Paß in den Rücken der Abwehr
das Tor knapp verfehlte. Auf der Gegenseite hatten die Kölner noch
zwei, drei halbe Torchancen, aber die Unterzahl setzte ihnen hart zu.
Es wurde mal wieder Zeit für einen Auftritt des
Schiris.Ein frisch eingewechselter Kölner grätsche Kevric von
hinten ab und sah nach 78 Minuten direkt rot. Nunja, hart, aber ungerecht.
Gegen 8 Kölner Feldspieler packten die Kickers jetzt
leider statt ihres Denkeisens die Brechstange aus. Die Angst vor dem Abstieg
lähmte das kreative Potential. Teilweise schon kurios wie die Flanken
in der Schlußphase über den Kölner Strafraum segelten,
von links nach rechts, von rechts nach links und wieder zurück nach
rechts. Für den finalen Paß und den Abschluß fehlten die
Nerven. Und so ging es dahin bis zur 90. Minute. Carnevale wuchsen zwei
Hörner und wie ein Stier tankte er sich links in den Strafraum. Ein
Kölner ging dazwischen und der Schiri pfiff - Elfmeter. Im anschließenden
Tumult flog der dritte Fortune vom Platz, aber viel wichtiger war: wer
würde antreten? Maric hatte zu letzt verfehlt.
Doch eben Tomi Maric übernahm die Verantwortung
und alle hielten den Atem an. Torhüter Ramovic kniete auf seiner Sechszehnmeterlinie,
die Auswechselspieler konnten gar nicht hinsehen. Maric kompensierte
seine Angst mit Kraft, drosch den Ball einfach in die Mitte und wurde mit
dem 2:1 belohnt, 90. Danach pfiff der Schiri gar nicht mehr
an und brachte die Kölner so um die eigentlich notwendige dreiminütige
Nachspielzeit.
Drei rote Karten, zahllose gelbe, nein, so hart wie der
Schiri das Spiel machte war es nicht gewesen. IIm Gegenteil, die Kölner
gehörten zu den besseren Gästemannschaften. Aber den Rheinländern
fehlt es an Brechern, die feinen Tricks ihres dunkelhäutigen Mittelstürmers
sind zwar schön anzusehen, aber im Abstiegskampf wenig effektiv. So
holten die Blauen drei ganz, ganz, ganz wichtige Punkte. Dank der anderen
Tabellenkellerkinder, die alle patzten, verließen die Kickers zum
ersten Mal seit Wochen wieder die Abstiegsränge. Die vielen (endlich!)
Zuschauer feierten die Mannschaft und besonders Trainer Stepanovic und
bei allen wuchs die Hoffnung auf den Klassenverbleib mal wieder ein bißchen.
Die Meinung zum Schiedsrichter:
Au Backe. Die Kölner sollten ihren Anwalt fragen,
bevor sie was zu oder über ihn sagen. Trotz Kartenflut mangelte es
an Autorität, gegen Mitte der zweiten Halbzeit verlor er völlig
die Übersicht (wie kann ein Spieler, der von hinten getreten wird,
ein Stürmerfoul begehen?) und am Schluß betrog er die Fortunen
noch um die Nachspielzeit. Eine gewisses Übergewicht der zahllosen
merkwürdigen Entscheidungen zugunsten der Kickers kann angesichts
dreier Platzverweise für Köln nicht bestritten werden.
Bruddler des Tages:
"Also spielerisch isch des schwach. Mir hend se Wondr
was vrdsehld" von der Nervensäge von einem VfB-Fan hinter mir (wer
bringt die eigentlich immer mit?).
Spruch des Tages:
Zum Besuch des VfB-Präsidenten: "Was machdn dr MV
do, hodr endlich amol a Schduagardr Mannschafd siaga säha wella?"