13.5.00: Kickers - 1. FC Nürnberg 0:3 (0:1), Zuschauer: 9185

Mit der Stepanophorie dürfte es vorbei sein. Das vorletzte Kickers-Heimspiel sorgte für erhebliche Ernüchterung, nicht nur angesichts des Ergebnisses, sondern auch wegen des Zustandekommens.

Zunächst sah es ganz anders aus. Nach gerade mal 50 Sekunden hätten die Blauen in Führung gehen müssen. Kevric leitete einen zu kurzen Abschlag von Köpke weiter, der Ball kam zu Kevric, der verlud Köpke und - traf den Pfosten. Nur zwei Minuten später hatte sich Cassio den Ball erkämpft, tauchte frei vor dem Nürnberger Schlußmann auf - und scheiterte an ihm.
Eine furiose Ouvertüre, die die Nürnberger sichtlich beeindruckte. Die Franken-Fans kündigten mit weißem Rauch eine erfolgte Papstwahl an, den Kickern auf dem Platz zitterten die Knie. In der ersten Viertelstunde stellten die Kickers die klar bessere Mannschaft und die Nürnberger fielen vor allem durch ungenaues Abspiel auf.
Doch wie so häufig, wenn die Blauen nicht treffen, bauen sie irgendwann den Gegner auf. Nürnberg steigerte sich von Minute zu Minute, ohne allerdings zunächst gefährlich vor dem Tor aufzutauchen.
Nach 29 Minuten zeigten die Franken, wie man auch ohne brauchbare Torchance in Führung geht. Nach einer Flanke stand einer der Roten von allen guten Abwehrspielern verlassen im Strafraum und versenkte die Kugel ins lange Eck, 0:1.
Die Kickers taten, was man von ihnen erwartete und kämpften, vor allem gegen die eigene Unwucht im Angriffsmotor. Doch so richtig klappen wollte zunächst nicht. Die beste Chance nach dem Rückstand vergab Maric kurz vor der Pause.

Die zweite Halbzeit war keine zwei Minuten alt, als mir klar wurde, daß die Punkte im Dreierpack im Nürnberger Bus nach Hause reisen würden. Unkonzentriert kamen die Blauen auf den Platz, wenig motiviert, ohne Biß.
So konnte einer der quirligen Nürnberger Stürmer nach 48 Minuten auch mehr oder weniger ungestört durch die blauen Reihen marschieren und mit einem präzisen Schuß das 0:2 erzielen.
Kein Ruck ging durch die Mannschaft, kein Wunder zeichnete sich ab und auch die harte gelb-rote Karte für einen Nürnberger brachte keine Besserung. Der eine Blaue mehr auf dem Feld fiel dem Beobachter nie auf. Bis zur 80. Minute erarbeiteten sich die Blauen nicht eine Torchance aus dem Spiel und mit Kevrics Freistößen hatte Köpke nur begrenzt Mühe.
In der 81. Minute griffen mal wieder die Nürnberger an. Ramovic machte seinen einzigen Fehler, ließ den harten Fernschuß abprallen und der Nürnberger vor ihm drückte den Ball zum 0:3 ins Netz. Spätestens hier hätte das passive Abseits aktiv werden sollen, aber am Saisonende wird keiner den Unterschied bemerken. Überflüssig zu erwähnen, daß Maric im Gegenzug eine weitere klare Torchance ausließ. Genauso rein für die Statistik die harte rote Karte für Raspe nach beherztem Tritt gegen Driller, da hätte gelb auch gereicht.

Ich lege mich fest, das war's.Mit diesem laschen Auftritt, dem psychologischen 0:3-Knacks im Hirn, zwei Auswärtsspielen auf der Todo-Liste und gerade mal 34 Punkten auf dem Habenkonto wird das Lied "Kickers in der zweiten Liga" mittelfristig nur noch im Wunschkonzert zu hören sein. Seit der Lizenz mit 22 Millionen Schulden und den verschenkten Heimtrainern scheint Nürnberg das Menetekel den Abstieg bekämpfender Kickers-Fußballer zu sein.
Ziemlich peinlich dann noch der Auftritt einiger geistig weniger gut situierter Nürnberger Fans, die nach dem Spiel den Rasen stürmten und dann noch den Fanblock der Blauen provozieren meinen zu müssen. Was sollte das?

Die Meinung zum Schiedsrichter:
Wenn man von den unnötig harten roten Karten absieht, könnte man ihm glatt die Bruddelbefreiung am Bande verleihen. Aber sein tribünenseitiger Assistent müßte dringend mal zur Abseitsnachschulung....

Bruddler des Tages:
"Der fahrd so, wia dia Blaue gschbiald hend" (Nach einer Vollbremsung in der Straßenbahn)

Spruch des Tages:
"Älle wissed wias gohd ond koinr brengds no."


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