21.5.00: Kickers - SV Hannover 96 2:1 (1:0), Zuschauer: 4980

Weia, weia. Wenn die Blauen solche Spiele immer gewonnen hätte, könnten sich die Fans schon lange beruhigt zurücklegen.

Es begann wie gegen Nürnberg, die Blauen motiviert, stürmten wie die Feuerwehr und vergaben gleich mal eine Torchance. Doch der Elan verpuffte schnell, die schwere Last des drohenden Abstiegs drückte auf die Spielerbeine und es entwickelte sich eine zunächst ausgeglichene Partie mit leichten blauen Vorteilen, die sich nach 19 Minuten sogar in einen zählbaren Vorteil umwandelte. Der neue Flankengott Marell (man verzeihe mir die Ironie) paßte auf Keuler und dessen Kopfball überforderte den Hannoveraner Torhüter, 1:0.
Wer jetzt mutmaßte, daß das Tor den Blauen Sicherheit gab, sah sich getäuscht. Im Gegenteil. Immer nervöser wurden die Kickers-Spieler und immer lockerer die Niedersachsen, für die es nur noch um die arg abgegriffene goldene Ananas ging ("wenn hier einer Anna naß macht...."). Hannover machte das Spiel und die Kickers verlegten sich aufs Kontern. Dabei stellten sie sich allerdings minder geschickt an.
So brachte nach einer halben Stunde der frei auf das Tor zustrebende Weinzierl einfach nicht den dritten Gang rein und Sievers im Tor konnte den Ball ablaufen. Maric versuchte es von der Mittellinie über den weit vorne stehenden Torwart, zielte aber zu ungenau.
Die Hannoveraner waren immer wieder nach Flanken in den Strafraum gefährlich und die Fans begrüßten sehnsüchtig den Halbzeitpfiff, denn Hannover steigerte sich von Minute zu Minute.

Leider verstärkte sich die Tendenz aus der ersten Halbzeit nach dem Wechsel weiter. Die blauen Hosen füllten sich auf der Rückseite zusehends und die Knie der Kickers-Kämpen waren wegen zunehmendem Zitterern von der Tribüne aus nur noch unscharf zu erkennen. In der 52. Minute folgte das Unausweichliche, statt den Ball wegzuschlagen, überboten sich Pfuderer und Keuler beim "Wir-machen-es-dem-Gegner-nicht-so-schwer" und der gut von der Kickers-Abwehr in Szene gesetzte Hannoveraner Stürmer hatte kein Problem, zum 1:1 einzuschießen.
Für die Hannoveraner nahm der Kick die Form eines lockeren Trainingsspiel an und nach 60 Minuten hätten sie einfach in Führung gehen müssen. Nach einer Ballstaffette über 10 Stationen ohne nennenswerte blaue Intervention stand der Stürmer 11 m vor dem Tor völlig frei, doch er verzog knapp.
Die Kickers-Fans litten auf der Tribüne wie Galeerensklaven. Die Mannschaft hatte jegliche Ordnung verloren, Maric kämpfte vorne allein auf weiter Flur, Kevric bemühte sich verzweifelt und erfolglos um Linie und Offensivspieler Blessin orientierte sich immer mehr nach hinten. Dort zupfte er nach 62 Minuten zu heftig an einem roten Trikot und mußte, bereits verwarnt, vorzeitig mit Gelb-Rot zum Duschen. Auf den Rängen wurden vehement Auswechslungen gefordert, doch Stepi zeigte keine Regung. Hannover hatte endgültig beschlossen nächste Saison lieber gegen St. Pauli als nochmal gegen die Blauen zu spielen und forcierte die Offensive.
75 Minuten hätte die immer noch nicht vorhandene Anzeigentafel angezeigt, als eine der ungewöhnlichsten Situationen in der Geschichte des Waldaustadions die Leute von den Sitzen riß. Kevric hatte sich 18m vor dem Tor in drei Mann festgelaufen, war hingefallen und forderte vehement Freistoß, der Schiri winkte deutlich ab - und der Hannoveraner Abwehrspieler hob den Ball im eigenen Strafraum auf und warf ihn nach vorne. Logische Konsequenz: Handelfmeter. Viele konnten gar nicht hinsehen. Tomi Maric übernahm die große Verantwortung und versenkte sicher, 2:1 (76.). Wenn die Kickers nicht absteigen, dann sicher wegen ihm, der auch zu Recht direkt nach dem Spiel zum Spieler des Jahres gekürt wurde.
Hannover 96 wollte sich nicht dem Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung aussetzen und machte richtig Druck. Die Fans schüttelten sich, die Blauen rackerten, warfen sich dazwischen, doch die Unterzahl machte es Hannover immer wieder möglich, gefährliche Angriffe vorzutragen. So richtig zwingende Torchancen sprangen allerdings nicht mehr heraus und das ganze Stadion atmete hörbar auf, als der Schiri nach nur zwei Minuten Nachspielzeit abpfiff.

Ohne des Handelfmerter des Jahrhunderts hätten die Blauen dieses Spiel nicht gewonnen. Und wenn man ehrlich ist, so richtig bundesligatauglich war der Auftritt nicht. Nun haben sie es aber rein rechnerisch  wieder selber in der Hand. Gewinnen sie das letzte Spiel in Karlsruhe (nur ein Sieg...), reicht es auf jeden Fall, weil Chemnitz und TeBe Berlin direkt aufeinander treffen und die Kickers bei einem Sieg einen von beiden überholen werden (Bei einem Unentschieden der Chemnitzer dann aber nur wegen der mehr geschossenen Tore, knapper geht es wirklich nicht). In 5 Tagen wissen wir mehr....

Die Meinung zum Schiedsrichter:
Da gibt's eigentlich nicht viel zu bruddeln, dafür daß ne Menge Hektik und Nervosität im Spiel war, machte er seinen Job ganz brauchbar.

Bruddler und Spruch des Tages:
"Des kann doch nia an Brasilianer sei, desch'n schwards lackierdr Öschdreicher, der ko jo idda mol an Ball schdobba." (über Cassio)


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