Das konnte ja heiter werden. Der Zufall hatte mir eine
ziemlich gruselige Ausgabe eines Fans von der tiefsten Alb als Nachbar
beschert, dessen Kommentare wirklich an meinen Nerven zerrten (weil sie
nicht mal originell waren). Doch es zeigte sich schnell, daß das
wahre Grauen heute auf dem Platz stattfinden würde.
Eigentlich begannen die Blauen ganz ordentlich, gegen
eine Mannschaft, die es bisher auf immerhin 0 Punkte gebracht hatte. Doch
nach einer Viertelstunde hatten 6 blaue Abwehrspieler den alten
mathematischen Satz bewiesen, daß, wenn der Gegner dreimal hintereinander
ungestört im Strafraum an den Ball kommt, ein Tor unausweichlich ist,
0:1. Doch es sollte noch schlimmer kommen, 10 Minuten später
kam der unsichere Kischko nicht aus seinem Kasten, zusammen mit seinem
Abwehrspieler brachte er den Ball zum Gegner, der trotzdem mehere Schüsse
benötigte, um das Leder wirklich im Tor unterzubringen, 0:2.
Hilflos das Spiel der Kickers. Wenig Zug nach vorne,
wenn etwas zustande kam, basierte es meist auf Zufall, eigentlich die gleichen
Kritikpunkte wie die ganzen Spiele zuvor auch. Von der vollmundig im Stadionmagazin
angekündigten Verbesserung im taktischen Bereich sah man nichts.
Zur zweiten Halbzeit kamen die Kickers mit Klaus für
Kischko, der sich offensichtlich verletzt hatte (teilweise wohl auch an
der Psyche) und Sailer für, Entsetzen auf der Tribüne, Blessin.
Blessin, neben Cassio in der ersten Halbzeit der einzige Kickersspieler
mit etwas Schwung. Das Geheimnis dieser Auswechslung wird Trainer Feichtenbeiner
wohl mit ins Grab nehmen, denn wenn man 0:2 hinten liegt, sollte man den
Mut zum dritten Stürmer haben.
Die Oberhausener, die letzte Woche schon ein 3:0-Vorsprung
nicht zu einem Punkt gereicht hatte, wollten diesmal auf Nummer Sicher
gehen und konterten die Kickers aus. Jedoch versiebten sie gleich 4 1:1-Situationen,
aus denen heraus normalerweise ein Tor fallen muß.
Nach 60 Minuten erhöhte sich der Unterhaltungswert
des Spiels ganz erheblich, ohne sich jedoch positiv aufs Niveau auszuwirken.
Cassio erkämpfte sich einen Foulelfmeter, Kevric trat an und, symptomatisch
für den Auftritt der Mannschaft, schoß den Ball so torwartfreundlich,
daß der RWO-Keeper wenig Mühe hatte. Schon wieder ein Elfmeter
verschossen.....Haare raufen.
Drei Minuten später machte es Toni Sailer
(wer sonst?) besser, ein schönes Zuspiel schob er ganz lässig
am herausstürmenden Torwart vorbei zum 1:2. In der 70. Minute
dann, bei RWO fiel die Abwehr ganz heftig auseinander, wurde Toni Sailer
im Strafraum umgerissen. Der eingewechselte Eberhard Carl (hurra, endlich
der dritte Stürmer!), der für sehr viel Schwung sorgte, verwandelte
den Strafstoß sicher zum 2:2.
Statt nachzulegen und die drei Punkte doch noch einzufahren,
schienen die Blauen mit dem Unentschieden zufrieden. Oder aber sie mußten
den 30 Grad Außentemperatur Tribut zollen. Außer einem schönen
Schuß von Carl kamen sie zu keiner Torchance mehr. Aber auch bei
RWO ging am Ende nicht mehr viel, so daß das Unentschieden bis zum
Abpfiff bestand hatte.
Nein, auch bei wohlwollender Betrachtung, ein Spielkonzept erkennt man nicht. Und wären die Gegner beim Verwerten ihrer Torchancen konsequenter, hätten die Blauen auch die beiden Heimspiele verloren. Um die Zukunft des Trainers ist mir trotzdem nicht bange, denn sein eloquent-geschliffener Stil im Stadionmagazin läßt vermuten, daß er als Politiker sicher großen Erfolg hätte. Lieber wäre mir, wenn sich der Erfolg mal bei der Mannschaft einstellen würde. 4 Punkte aus 4 Spielen reicht auf lange Sicht nur für die neue, zweigleisige Dritte Liga.
Die Meinung zum Schiedsrichter:
Sehr souverän, ließ keine große Hektik
aufkommen und das auch ohne eine Flut gelber und roter Karten zu zeigen.
Vermutlich der beste Akteur auf dem Platz.
Bruddler des Tages:
"Der Blessin ist ein würdiger Nachfolger von Moutas,
dauernd im Abseits."
"Ja, denn fürs Abseits ist der Sailer nicht mehr
schnell genug."