Minuskulisse und ein trotz nominell stärkster Zweitligamannschaft
verunsicherter Gegner bei regnerischem Wetter, alle Voraussetzungen für
einen Rübenkick waren also gegeben. Und genau dies lieferten die beiden
Mannschaften über weite Strecken des Spiels auch ab.
Zerfahren der Beginn, von den Bochumern zunächst
fast gar nichts zu sehen und auch die Kickers bemühten sich um elementare
Fußballgrundlagen wie Ballkontrolle und Zuspiel über drei Metern.
Dabei zeigte sich schnell, daß die Stürmer Carl und Maric nahtlos
an die Leistungen des Cottbus-Spiels anknüpfen
konnten. Dieses Duo Infernale erschreckt zur Zeit leider nicht mal eine
D-Jugend-Abwehr. Carl, der praktisch jedes Anspiel prallen läßt,
oft genug nicht zum eigenen Mann und Maric, der immer viel zu lange den
Ball hält, weil er auf der engagierten, aber verzweifelten Suche nach
seinen Dribbelqualitäten ist, machten die Bochumer nicht verlegen.
Auf der anderen Seite brachte der Bochumer Weber das Kunstststück
fertig, fast jeden Angriff mit einem Stürmerfoul zu beenden. Ein wahrlich
würdiger Nachfolger von Martin Dahlin als Trikotzerrstürmer des
Jahres....
Nach 20 Minuten hatten die Bochumer die erste halbwegs
brauchbare Torchance und legten in den nächsten Minuten gleich noch
ein paar Gelegenheiten drauf. Einige Flanken rauschten quer durch den Kickers-Strafraum
und die Herzschrittmacher der Fans hatten Schwerstarbeit zu leisten. Die
Kickers-Abwehr wackelte wie ein Milchzahn und vor allem Cassio schien aus
Versehen am Tank seines aus Brasilien mitgebrachten, mit destilliertem
Zuckerrohr betriebenen Fahrzeug genascht zu haben, so planlos rannte er
die linke Seite rauf und runter. Folgerichtig blieb er nach der Pause in
der Kabine.
Nach 10 Minuten hatten die Bochumer ihr Pulver schon
wieder verschossen und das Spiel schleppte sich zum Pausenpfiff. Kurz vor
dem Wechsel der Offenbarungseid eines Stürmers, Maric strebt alleine
auf das Tor zu, doch am Strafraum bekommt er den Ball einfach abgelaufen.
Nach dem Wechsel keine Besserung in Sicht. Immer wieder
machte eine Mannschaft 5 Minuten lang das Spiel, erarbeitete sich die eine
oder andere Tormöglichkeit (Chancen wäre zuviel gesagt) und fiel
dann wieder in den alten Trott zurück.
Erst mit Toni Sailer (für Carl nach einer Stunde,
ENDLICH!) kam etwas Schwung in die Sache. Die beiden klaren Torchancen
hatten jedoch die Bochumer, jeweils aus heiterem Himmel kam ein Bochumer
frei vor dem Tor an den Ball, doch Klaus spielte im Tor heute souverän.
Aufregung dann nach 70 Minuten. Maric hatte sich an der
Auslinie einen Ball erlaufen, den die Bochumer schon im Aus wähnten.
Der Bochumer Goalie packte die Paniksense aus, doch der ansonsten gute
Schiri ließ das Spiel weiterlaufen. Naja, hätten den Elfer ja
eh wieder verschossen....
Schade auch, daß Kevric an den wunderschönen
Paß von Sailer nach 80 Minuten nicht mehr herankam.
So sorgten Pfuderer, Kümmerle und Keuler hinten
mit einer soliden Leistung für die Null und die Blauen retteten den
Punkt nach Hause.
Daß die Mannschaft von Bochum einen Etat von 25
Millionen kostet, hat man wirklich nicht gesehen. Vor vier Wochen
hätte man sich über den Punkt noch gefreut, heute muß man
sagen: gegen so eine Mannschaft muß man gewinnen. Wenn man aber,
wie die Blauen, über keinen Sturm verfügt (nur ein Tor aus drei
Spielen und das aus einem Freistoß) und die anderen die Torgefährlichkeit
von Stubentigern aufweisen, wird man drauf bauen müssen, daß
die Abwehr das Tor sauber hält, wenn man die Spiele nicht verlieren
will.
Laßt die Jungen ran, Blessin, Carnevale oder wie
sie auch heißen, denn schlechter können sie es auch nicht machen!
Die Meinung zum Schiedsrichter:
Eine etwas grobe Gestik und Vorgehensweise (rupft einen
Spieler schon mal am Trikot oder schiebt ihn beiseite), aber eine sehr
gute Leistung. Entschlossen und nachdrücklich, praktisch keine Fehlentscheidungen.
Mehr von dieser Sorte!
Bruddler des Tages:
"Desch bloß dia dswoide Mannschaft, gega eich hola
mr dia erschde raus" (Ausruf, als Dortmunds Trainer Skibbe, Pokalgegner
der Blauen, in der zweiten Halbzeit die Tribüne betrat)
Spruch des Tages:
"Ein Mann geht nicht auf den Fußballplatz, um Spaß
zu haben."