23.10.99: Kickers - VfL Borussia Mönchengladbach 3:1 (0:0), Zuschauer: 7920

Die machen mich echt noch arbeitslos. Schon wieder ein 3:1 zu Hause gegen eine Borussia aus Nordrhein-Westfalen, was könnte man da noch bruddeln? Aber halt, ein Spiel ist mehr als nur ein Ergebnis. Doch der Reihe nach.

Beide Mannschaften begannen relativ schwungvoll, Gladbacher Fehlpässe und Handspiele ermöglichten den Blauen gleich mal einen Freistoß, der, abgefälscht, von Kamps entschärft werden konnte. Auf der anderen Seite wurden die Gladbacher, die ein sehr variables Pressing spielten, langsam munter und kombinierten sich immer wieder in den Kickers-Strafraum. Nach 20 Minuten hatten die Gladbacher einen Lattenschuß, einen Schuß hauchdünn übers Tor und ein paar Paraden von Ramovic, der den verletzten Klaus vertreten mußte, auf der Habenseite.
A propos Ramovic: der Junge, der sein erstes richtiges Zweitligaspiel machte, hielt absolut phantastisch. Und angesichts der kläglichen Leistung von Ebse Carl in der ersten Halbzeit (wer frei vor dem Torwart auftaucht, sollte mehr als eine Rückgabe produzieren) muß sich der Nasenbär im Verein, der viel Geld in Maik Kischko investiert hat, fragen lassen, warum denn keine Stürmer gekauft wurden.. Mit Klaus und Ramovic hatten die Kickers jedenfalls schon zu Saisonbeginn zwei sehr gute Goalies.
Die Gladbach-Fans, die zahlenmäßig überlegen schienen, waren bester Stimmung und hätten die Borussen so weitergespielt, wäre das 1:0 nur eine Frage der Zeit gewesen. Aber wie so oft, man schießt keine Tore und dann schläft Vorwärtsdrang irgendwann ein. Mit einer für die Kickers glücklichen Nullnummer wurden die Seiten gewechselt.

Nach dem Wechsel Gladbach weiter überlegen, die Blauen kamen oft nicht mal mehr über die Mittellinie. Zwingende Torchancen erarbeiteten sich die Rheinländer aber nicht, was vor allem daran lag, daß sich immer wieder ein Mann mit vollem Einsatz in den Ball stürzte: Achim Pfuderer. Nebenbei meldete er den Zweitliga-Torjäger Arie van Lent ab, Pfudi heute für mich bester Mann auf dem Platz. Am anderen Ende der Mannschaftsliste kämpfte Raspe schon früh mit seiner Kondition (schließlich ist das hier ein Bruddelkommentar!)
In der 63. Minute schaltete der Drehbuchautor des Spiels dann den Turbulenzgenerator ein. Erst erteilte Adi Kevric nach einem langem Paß seinem Gladbacher Gegenspieler eine bittere Lektion in Sachen Zweikampfverhalten als letzter Mann, paßte dann zu Maric und der schob die Kugel zum überraschenden 1:0 in die Maschen. Im Zweiminutentakt ging es jetzt weiter. Ein Allerweltszweikampf zwischen Pfudi und van Lent wertete der Schiri als Elfmeterreif und pfiff...nun, wenn er das immer tut, gibt es in jedem Spiel 10 Elfmeter. Sei's drum. Der gerade eingewechselte Toni Polster verwandelte sicher zum 1:1 (65.).
Wieder nur zwei Minuten später, die Kickers im Angriff, da wird der Schiri-Assisitent von seiner Fahne nach oben gerissen. Handspiel im Gladbacher Strafraum. Maric trat an (zitter, bibber), doch er verwandelte nach sehr lässigem Anlauf zum 2:1 (67.). Doch damit nicht genug.
Carl explodierte plötzlich, ging über die rechte Seite, seine Flanke verfehlte Freund und Feind, Minkwitz war auf der linken Seite mitgelaufen, gab nach innen und dort stand, genau, Tomislav Maric und machte nach 71 Minuten sein drittes Tor. Hätte Carl sechzig Sekunden später nicht den Pfosten sondern das Tor getroffen, wäre das Spiel endgültig erledigt gewesen.
Wer erwartet hätte, daß die Gladbacher jetzt mit aller Macht auf den Anschluß drängen würde, sah sich getäuscht. Papa Ramovic hielt es auf der Tribüne nicht mehr auf seinem Sitz, doch das von seinem Sohn gehütete Tor geriet nicht mehr ernsthaft in Gefahr. Da fehlte es eindeutig an der letzten kämpferischen Einstellung.

Die erste Halbzeit gab zu denken, die zweite versöhnte die Fans dann doch. Im Prinzip kann die Mannschaft guten Fußball spielen, aber irgendwie klemmt es noch zu häufig im Kopf. Es benötigt immer wieder eine Einzelleistung (meist von Kapitän Kevric), die der Mannschaft dann den entscheidenden Ruck gibt.
Und im übrigen fordere ich, daß die Jungen endlich auch mal von Anfang an im Sturm spielen darf!

Die Meinung zum Schiedsrichter:
Die Gladbacher Fans hatten sich teilweise ein bißchen auf ihn eingeschosssen, aber bis zu der Elfmeterentscheidung gegen die Kickers pfiff er sehr souverän und konsequent, danach ging die Linie etwas verloren, denn beide Elfmeter waren unberechtigt. In der Summe aber ok.

Bruddler des Tages:
"Mit dem was der Carl ned kann, kosch no drei andere ned uffschdella!"

Spruch des Tages:
"Da hinten spielt mal wieder nur der SV Kickers Pfuderer"


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