Wenn man für jedes "Das gibt's doch gar nicht" und "Sowas habe ich noch nie erlebt" 5 DM ins Phrasenschwein geworfen bekommen hätte, man hätte das Waldaustadion als reicher Mann verlassen. Zwei verrückte Halbzeiten, im Prinzip nur 11 wirklich interessante Spielminuten und ein Ergebnis, daß der Bruddler sich mit Grausen abwenden mang. Doch der Reihe nach.
Die Kickers begannen druckvoll, Mainz kam selten aus der
eigenen Hälfte, doch zwingende Torchancen fehlten. Aus heiterem Himmel
gingen die Mainzer nach 11 Minuten mit 0:1 in Führung,
als Policella den Ball mit der Hacke an der friedlich schlafenden
Kickers-Abwehr vorbei ins Tor bugsierte. In der Folgezeit bettelten die
Mainzer förmlich um den Ausgleich. Der Mainzer Goalie verfehlte Flanken,
die Abwehr wurde das ein ums andere Mal mit langen Bällen ausgehebelt,
doch der letzte Paß war oft zu ungenau. Trotzdem hätten bei
konsequenterer Umsetzung zwei bis drei Tore fallen können.
Nach 31 Minuten begannen die ersten 8 der oben
angesprochenen 11 interessanten Spielminuten. Mitten in die Kickers-Drangphase
fuhren die Mainzer einen Konter und erzielten so das 2:0. Drei Minuten
später fand ein harmloser Linksschuß den Weg ins kurze Eck von
Bernd Klaus und in der 39. Minute legte die glänzend disponierte
Kickers-Abwehr für einen Mainzer Stürmer auf und es stand 0:4.
Geschockt
stand oder saß der blaue Anhang im Stadion, schüttelte die Köpfe,
fror aus Frust und mangelnden Außentemperaturen und füllte das
Phrasenschwein. Pünktlich ging es in die Kabinen.
In der Halbzeitpause hatte sich das Publikum komplett
in den Galgenhumor geflüchtet. Es wurde nur noch diskutiert, wie man
einen Spielabbruch provozieren könne und somit ein 0:3 am grünen
Tisch zu kassieren als hier vielleicht noch ein paar Tore. Doch diese Kickers
versuchten ihr Glück im Spiel. Der völlig indisponierte Ramovs
blieb draußen und mit einem frohen "Nur noch fünf" auf den Lippen
starteten die Fans in die zweite Halbzeit.
Die Kickers mühten sich etwas mehr, doch zählbares
sprang nicht heraus. Die Mainzer spielten es, der Witterung entsprechend,
unterkühlt, ja geradezu lässig, herunter. Nur ihr Torwart
pflegte weiterhin die eine oder andere Flanke zu verfehlen.
Wer dann in der 65. Minute aufs Klo oder an den
Glühweinstand mußte, verpaßte die restlichen 3 interessanten
Minuten. Nachdem Cassio einen Elfmeter herausgeholt hatte, den Maric
sicher verwandelte, verloren die Mainzer völlig ihre sehr gute Spielordnung
und mußten binnen zwei Minuten zwei weitere Tore durch Cassio
und Maric hinnehmen. Im Stadion tobte jetzt natürlich der Bär,
das hoffnungslos verloren geglaubte Spiel am Scheidepunkt? Nein, die Mainzer
fanden wieder zu ihrem Spiel und ließen den Kickers nicht mehr die
Spielräume wie in diesen drei torreichen Minuten.
Daß der Fußballgott an diesem Abend kein
Blauer war, bewies er in der 80. Minute, als sich Maric sehr schon freigewühlt
hatte, in die Mitte flankte, dort der unauffällige Neuzugang Özkan
den Ball an den Innenpfosten setzte und der Nachschuß nur das Außennetz
streifte. Die Chance zum 4:4, verpufft an der Teppichklopfstange.
Man weiß es wirklich nicht. In der ersten Halbzeit
schossen die Mainzer viermal aufs Tor, aber es bedarf schon der massiven
Unterstützung der anderen Mannschaft, das daraus vier Tore werden.
So willenlos wie die Blauen in der ersten Halbzeit sich vorführen
ließen habe ich schon lange keine Mannschaft mehr gesehen. Die zweite
Halbzeit war besser im Ansatz, aber immer noch mangelhaft in der Ausführung.
Es mangelt einfach an der Chancenverwertung und das gravierend. Vielleicht
mangelt es auch am Mut am Risiko, nach dem 3:4 hätten der eine oder
andere Offensivspieler das Spiel noch wenden können. Wer weiß.
Außerdem ist es einfach eine Sauerei, daß
10 Minuten vor Schluß eines solchen Spiels der Blessin eingewechselt
wird. Vermutlich wird es morgen wieder heißen, er häbe seine
Chance nicht genutzt. Gebt dem Jungen endlich mal eine faire Chance!!
Die Meinung zum Schiedsrichter:
Eigentlich wollte ich ihn als guten Schiri hier rausgehen
lassen, aber in den letzten Minuten zerstörte er durch ständiges
Stürmerfoulpfeifen, Spielunterbrechungen durch gelbe Karten und dann
durch einen pünktlichen Abpfiff trotz ausgedehntem Zeitspiels diesen
guten Eindruck.
Bruddler des Tages:
"Dia hosch bis do hoch schnarcha heera." Über die
Kickers-Abwehr beim 0:1
Spruch des Tages:
"In Offenbach wäre das Flutlicht schon lange ausgefallen."
Irgendwann nach dem 0:4