26.11.99: Kickers - FSV Mainz 05 3:4 (0:4), Zuschauer: ca. 2500

Wenn man für jedes "Das gibt's doch gar nicht" und "Sowas habe ich noch nie erlebt" 5 DM ins Phrasenschwein geworfen bekommen hätte, man hätte das Waldaustadion als reicher Mann verlassen. Zwei verrückte Halbzeiten, im Prinzip nur 11 wirklich interessante Spielminuten und ein Ergebnis, daß der Bruddler sich mit Grausen abwenden mang. Doch der Reihe nach.

Die Kickers begannen druckvoll, Mainz kam selten aus der eigenen Hälfte, doch zwingende Torchancen fehlten. Aus heiterem Himmel gingen die Mainzer nach 11 Minuten mit 0:1 in Führung, als Policella den Ball mit der Hacke an der friedlich schlafenden  Kickers-Abwehr vorbei ins Tor bugsierte. In der Folgezeit bettelten die Mainzer förmlich um den Ausgleich. Der Mainzer Goalie verfehlte Flanken, die Abwehr wurde das ein ums andere Mal mit langen Bällen ausgehebelt, doch der letzte Paß war oft zu ungenau. Trotzdem hätten bei konsequenterer Umsetzung zwei bis drei Tore fallen können.
Nach 31 Minuten begannen die ersten 8 der oben angesprochenen 11 interessanten Spielminuten. Mitten in die Kickers-Drangphase fuhren die Mainzer einen Konter und erzielten so das 2:0. Drei Minuten später fand ein harmloser Linksschuß den Weg ins kurze Eck von Bernd Klaus und in der 39. Minute legte die glänzend disponierte Kickers-Abwehr für einen Mainzer Stürmer auf und es stand 0:4. Geschockt stand oder saß der blaue Anhang im Stadion, schüttelte die Köpfe, fror aus Frust und mangelnden Außentemperaturen und füllte das Phrasenschwein. Pünktlich ging es in die Kabinen.

In der Halbzeitpause hatte sich das Publikum komplett in den Galgenhumor geflüchtet. Es wurde nur noch diskutiert, wie man einen Spielabbruch provozieren könne und somit ein 0:3 am grünen Tisch zu kassieren als hier vielleicht noch ein paar Tore. Doch diese Kickers versuchten ihr Glück im Spiel. Der völlig indisponierte Ramovs blieb draußen und mit einem frohen "Nur noch fünf" auf den Lippen starteten die Fans in die zweite Halbzeit.
Die Kickers mühten sich etwas mehr, doch zählbares sprang nicht heraus. Die Mainzer spielten es, der Witterung entsprechend, unterkühlt, ja geradezu lässig,  herunter. Nur ihr Torwart pflegte weiterhin die eine oder andere Flanke zu verfehlen.
Wer dann in der 65. Minute aufs Klo oder an den Glühweinstand mußte, verpaßte die restlichen 3 interessanten Minuten. Nachdem Cassio einen Elfmeter herausgeholt hatte, den Maric sicher verwandelte, verloren die Mainzer völlig ihre sehr gute Spielordnung und mußten binnen zwei Minuten zwei weitere Tore durch Cassio und Maric hinnehmen. Im Stadion tobte jetzt natürlich der Bär, das hoffnungslos verloren geglaubte Spiel am Scheidepunkt? Nein, die Mainzer fanden wieder zu ihrem Spiel und ließen den Kickers nicht mehr die Spielräume wie in diesen drei torreichen Minuten.
Daß der Fußballgott an diesem Abend kein Blauer war, bewies er in der 80. Minute, als sich Maric sehr schon freigewühlt hatte, in die Mitte flankte, dort der unauffällige Neuzugang Özkan den Ball an den Innenpfosten setzte und der Nachschuß nur das Außennetz streifte. Die Chance zum 4:4, verpufft an der Teppichklopfstange.

Man weiß es wirklich nicht. In der ersten Halbzeit schossen die Mainzer viermal aufs Tor, aber es bedarf schon der massiven Unterstützung der anderen Mannschaft, das daraus vier Tore werden. So willenlos wie die Blauen in der ersten Halbzeit sich vorführen ließen habe ich schon lange keine Mannschaft mehr gesehen. Die zweite Halbzeit war besser im Ansatz, aber immer noch mangelhaft in der Ausführung. Es mangelt einfach an der Chancenverwertung und das gravierend. Vielleicht mangelt es auch am Mut am Risiko, nach dem 3:4 hätten der eine oder andere Offensivspieler das Spiel noch wenden können. Wer weiß.
Außerdem ist es einfach eine Sauerei, daß 10 Minuten vor Schluß eines solchen Spiels der Blessin eingewechselt wird. Vermutlich wird es morgen wieder heißen, er häbe seine Chance nicht genutzt. Gebt dem Jungen endlich mal eine faire Chance!!

Die Meinung zum Schiedsrichter:
Eigentlich wollte ich ihn als guten Schiri hier rausgehen lassen, aber in den letzten Minuten zerstörte er durch ständiges Stürmerfoulpfeifen, Spielunterbrechungen durch gelbe Karten und dann durch einen pünktlichen Abpfiff trotz ausgedehntem Zeitspiels diesen guten Eindruck.

Bruddler des Tages:
"Dia hosch bis do hoch schnarcha heera." Über die Kickers-Abwehr beim 0:1

Spruch des Tages:
"In Offenbach wäre das Flutlicht schon lange ausgefallen." Irgendwann nach dem 0:4


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