Wer herkam, um ein gutes Fußballspiel zu sehen,
hatte die letzten Wochen definitiv verpennt. Die Kickers, zwar immer wieder
streckenweise ordentlich gespielt, aber katastrophal in der Chancenverwertung
und Vorletzter sowie der KSC, völlig von der Rolle, am Montag vor
dem Spiel ergeben in die Niederlage gerannt, Tabellenletzter.
So ähnllich ging es dann auch im Waldaustadion bei
fröstelnden Temperaturen los. Die bis zur Reißgrenze gespannten
Nerven der 22 Fußballer vibrierten fast im hörbaren Bereich.
Die Kickers, etwas weniger Angsthase als der Konkurrenz aus dem Land, spielten
nach vorne, die Karlsruher scheiterten schon an den einfachen Aufgaben
des Fußball wie dem Paß über drei Meter. Nur folgerichtig
fiel nach 9 Minuten bereits das 1:0, als Maric im
Strafraum schön freigespielt wurde und den Ball hoch unter die Latte
donnerte. Damit hatte er leider sein Zielwasser komplett verbraucht, doch
dazu später mehr.
In der Folgezeit brach mal wieder die alte Kickers-Krankheit
aus: galoppierende Führungsphobie. Nicht, daß sie sich bemühten,
gleich noch ein Tor nachzulegen, nein, sie fielen zurück und ließen
den Karlsruhern mehr Raum, als die in ihrer derzeitigen Lage gebrauchen
konnten. Die Badener huddelten sich nach vorne, doch geradezu kläglich
vergaben sie die Chance auch nur in den Strafraum einzudringen. Geradezu
erschreckend hilflos und teilweise auch lustlos präsentierte sich
der Tabellenletzte. Und die Zuschauer hätten den Halbzeitpfiff vielleicht
sogar verschnarcht, wenn Maric nicht kurz vor der Pause so peinlich freistehend
über den Ball getreten hätte, daß einem das Grauen die
Augenlider hochriß.
Nach der Pause knüpfte Tomi, immerhin bester Torschütze
der Zweiten Liga (zusammen mit dem Karlsruher Krieg, ein Treppenwitz),
nahtlos an seine unglückliche Vorstellung an. Zweimal scheiterte er
freistehend vor Simon Jentzsch im KSC-Tor. Es war eigentlich nur dieser,
der bei den Karlsruhern den Eindruck vermittelte, daß er dieses Spiel
nicht auch noch verlieren wollte und so verkündeten die KSC-Fans lautstark,
daß sie nun die Schnauze voll hätten.
Stefan Minkwitz bemühte sich, dieses Gefühl
zu verstärken. Mit einem tollen Einsatz erkämpfte er sich 30
m vor dem gegnerischen Tor einen Ball (den er nie sich hätte erkämpfen
dürfen, aber Karlsruhe macht's zurzeit möglich), tankte sich
durch und schloß souverän zum 2:0 ab, 67.
Es kam danach, wie es kommen mußte. Nicht die Kickers
machten das halbe Dutzend voll, wie es die völlig aufgelöste
KSC-Abwehr händeringend erbat, nein, die Karlsruher bissen noch mal
zurück und bei den Kickers wackelten die Knie im Takt mit. Den einzigen
wirklich nach Fußball aussehenden Angriff der Karlsruher schloß
Fährmann in der 80. Minute zum 2:1 ab. Jetzt
wollten es mindestens 5 Karlsruher nochmal wissen und die Blauen beschränkten
sich aufs Halten. Der völlig indisponierte Feichtenbeiner wechselte
nicht den völlig indisponierten und abgekämpften Cassio aus,
nein, er wechselte in der 85. Minute noch einen neuen Stürmer ein.
Trotz Jenztschs Ausflügen brachten die Blauen das 2:1 über die
Zeit.
Naja, wenn man gegen einen so erschreckend schwachen Gegner wie den KSC nur mühsam gewinnt, stellt sich schon die Frage, gegen welche Mannschaften die notwendigen Punkte gegen den Abstieg herkommen sollen. Und ein Trainer, der einem Carl, der seine beste Zeit wirklich schon lange hinter sich hat, den Vorzug gegenüber der Jugend gibt, nur weil er "ein Routinier" ist, muß sich schon fragen lassen, warum er dieses Experiment erst nach 45 Minuten wieder beendet hat. Zumal Ersatz Ziegner deutlich besser spielte. Und was mal werden soll, wenn die Mannschaft keinen Kevric mehr hat, will ich mir gar nicht ausmalen.
Die Meinung zum Schiedsrichter:
Ging so, man kann nichts konkret gegen ihn sagen, außer,
daß er es mit Fouls von hinten und Fouls als letzter Mann nicht ganz
so genau beim Kartenziehen nahm. Dafür hätte man seinen tribünenseitigen
Assistenten besser ohne die Augenbinde auf den Platz geschickt.
Bruddler des Tages:
Nach Minwitz' 2:0: "Den hätte ich auch noch versenkt."
Spruch des Tages:
"Glei gohd Sonn' uff", als die Karlsruher in der ersten
Hälfte seeeehr viel Zeit beim Freistoß hatten.