SV Stuttgarter Kickers - SpVgg Bayreuth 2:2
 
Nachdem der etatmäßige Waldau-Bruddler Manne meinte einen auf Gambo machen zu müssen und wegen Kniebeschwerden dem Spiel fern blieb, will ich mal wieder in die Bresche springen und 'gastbruddeln'.
Prinzipiell waren es Manne und Bachirou, die an diesem Abend alles richtig gemacht haben und eine möglichst große Distanz zwischen sich und den Kickers-Platz unter dem Fernsehturm - neuhochdeutsch auch als Waldau-Stadion, beziehungsweise in 'Für Geld tun wir alles-Fußballdeutsch als Gazi-Stadion auf der Waldau' bekannt - brachten.
Offiziell verloren sich zweitausendeinhundertirgendwas - anstatt der üblichen zweitausendsiebenhundertachtzig -  Zuschauer unter dem immer noch mit einer ekelhaften rot-weißen Antenne verunstalteten Fernsehturm, wobei diese Zahl sicher auch die sechshundert Dauerkartenbesitzer behinhaltet, die ganz unschwäbisch gegen die Maxime 'was zahlt isch, wird au oglotzt' verstießen. Jedenfalls eine erbärmliche Kulisse, für ein erbärmliches Fußballspiel. Insofern passte es ja wieder.
Die Blauen - laut Wundertrainer Dutt - ohne sieben Stammspieler. Der schon erwähnte Gambo, dann Parmak und Braun... Gambo, Parmak, Braun... Verdammt! Selbst wenn die doppelt zählen, kommt am Ende nur sechs dabei heraus. Nimmt man jetzt noch ehemalige Leistungsträger wie Gumper und wohlwollend als Ergänzungsspieler zu bezeichnende Mitläufer wie Sager oder Marchese hinzu, dann wären wir sogar bei neun! Na ja, der Robin hat ja auch schon bei einer Trefferquote von 2 aus 49 unsere Chancenverwertung schön gerechnet.
Man kann es drehen und wenden, wie man will: Irgendwie standen gegen Bayreuth dann doch elf Mann auf dem Platz und es war wirklich das letzte - um nicht zu sagen das hinterletzte - Aufgebot, wenn man als Maßstab nimmt, dass sogar Chatzis reaktiviert werden musste. Die Elf stellten sich allerdings so an, als wären auch noch Polat, Greco und Catitzone wieder zu den Blauen zurückgekehrt.
Neunzig Minuten zum Abgewöhnen, für die unsere blauen Helden in kurzen Hosen bereits in den ersten zehn Minuten den Grundstein legte. Das Zweikampfverhalten im Mittelfeld war so aggressiv und zwingend wie eine alte Frau beim Socken stricken und damit baut man sogar einen erbärmlichen Bayernligisten, der sich aus Versehen in die Regionalliga verirrt hat, auf. Okay, Bayreuth hatte einen Martin Driller und noch so einen Wunderstürmer, der es nie über die Regionalliga heraus gebracht hat, aber denen muss man halt einfach mal auf die Socken treten um sich Respekt zu verschaffen. Herrjeh, waren das noch Zeiten als ein Wolfgang Wolf gegen seine alten Mitspieler vom FCK nach 18 Sekunden gelb sah, weil er ihnen erst mal richtig in die Parade fuhr... dafür sah man in den verbleibenden 89 Minuten und 42 Sekunden nichts mehr von seinen ehemaligen Mannschaftskollegen und gewann 2:0.
Mit denen, die 2005 das Kickers-Trikot tragen dürfen, ist so was nicht zu machen. Alles liebe, brave Jungs, die man hervorragend verheiraten, aber mit denen man kein Fussballspiel gewinnen kann.
Zum Beispiel der Schlabach-Timo. Den haben alle ganz doll lieb, weil er sich mal vor dem B-Block an den Zaun gehängt hat und 'Scheiß-VfB' skandierte. Das sah auch wirklich gut aus, jedenfalls besser als wenn er über den Platz hechelt und sich aufreibt. Irgendwann kommt halt auch mal ein Ball zu ihm und der Timo und der Ball, das werden keine Freunde mehr in diesem Leben.
Oder unser Musti, der Acay. Der rackert im Mittelfeld wie blöd, sieht irgendwann gelb und taucht dann unter. Manchmal taucht er auch ganz überraschend wieder vor dem gegnerischen Tor auf und ist davon dann selbst so überrascht, dass er nochmal für jeden fehlenden Stammspieler einen Gedächtnishaken schlägt, anstatt die blöde Kugel einfach ins Eckige zu hauen.
Was ist eigentlich mit unserem Mirnes Mesic los? Der ist über die gesamte Spielzeit mit Meckern und zu Boden gehen beschäftigt. Das kostet ihn soviel Kraft, dass er selbst bei Freistößen aus aussichtsreicher Position nur lächerlichen Kullerbälle fabriziert.
Und Oliver Stierle? Wie immer schnell! So schnell, dass ihm der eigene Schatten nicht mehr folgen kann. Aber mal ehrlich: Wer kann guten Gewissens bei ihm unterscheiden, ob das nun eine Flanke oder ein Torschuss war? Warscheinlich nicht mal er selbst.
Unsere Emma, der Akwugbu hatte immerhin einen lichten Moment, als er den Zeitschinder im Bayreuther Kasten zum zwischenzeitlichen 1:1 tunnelte. Hat ihm allerdings mal jemand gesagt, dass sein Kopf nicht nur zum denken da ist, sondern dass man den auch in ein Fußballspiel einbringen kann?
Jens Härter - mal diletantisch wie Häberle um ganze fünf Sekunden später einen auf brasilianischen Filigrantechniker zu machen. Der Jens ist glaube ich selbst oft überrascht, was er alles für Dinger drauf hat.
Chatzis für seine Verhältnisse heute richtig gut, aber das reicht halt nur im WFV-Pokal gegen Bezirksligisten - und selbst da nicht immer.
Nico Kanitz verkörpert hohe ostdeutsche Fußballschule und belegte wieder einmal nachträglich, warum Bahnradfahren in der Sowjetischen Besatzungszone mehr Fördergelder erhalten hat.
Bei Wildersinn stellt sich mir die Frage, ob er nicht den Driller beim 0:1 hätte abschirmen müssen. Überhaupt turnte der weiß Odin wo auf dem Feld rum und die Schwarz-Gelben kamen mehr als einmal zu Überzahlsituationen.
Yelldell im Tor langweilte sich zu Tode. Die paar Fernschüsse hatte er sicher, aber wie üblich holte er mindestens zwei Mal den Ball aus den Maschen.
Einer fehlt noch... Steinle! Ja, der war auch irgendwie dabei, oder auch nicht, oder vielleicht doch?
Tucci von der Zweiten durfte eine Halbzeit lang ran. Der Jung hatte im ganzen Spiel etwa so viel Ballkontakte, wie er gegen Tabellenführer Heidenheim bei den Amas Tore gemacht hatte. Als gutgemeinter Rat für die Zukunft: Nimm dir mal ein Beispiel an Ewald Lienen zu dessen Glanzzeiten als Außenstürmer am Gladbacher Bökelberg, sportlich und vor allem auch was die Frisur angeht.
Söckler, die arme Sau, kam auch noch rein. Immerhin sah der nicht aus wie ein gerupftes Suppenhuhn, das in den Farbkübel gefallen ist. Am Besten hat mir definitiv Schreiber gefallen. Der hat noch nie so wenig Fehler bei einem Spiel gemacht wie gegen Bayreuth.
Was die Kickers boten war einfach nicht regionalligatauglich. Einsatz okay, der Wille war von zwischenzeitlichen Resignations- und Regenerationsphasen abgesehen auch da, aber es fehlt ganz einfach am Können. Machen wir uns nicht vor, will dieser Verein nach oben, sei es nun sportlich oder auch wirtschaftlich, was ja eng miteinander verknüpft ist, dann müssen da elf andere Typen auflaufen. Der eine oder andere aus dem Kader - und sogar aus der heutigen Dreizehn - hat es sicher drauf, aber da muss eine gewaltige Steigerung kommen.
Und Bayreuth? Die haben meine Vermutung bestätigt, dass sie neben den Kickers, Eschborn und Pfullendorf der heißeste Anwärter auf die Oberliga in der kommenden Saison sind. Eine durchschnittliche Truppe von Regionalliga-Rumpelfüßen hätte an diesem Abend ein zweistelliges Ergebnis gegen einen völlig überforderten Hühnerhaufen heraus geschossen. Haben sie aber nicht.... und am Ende wird für die Blauen vielleicht doch noch alles gut, weil sich Trier, Regensburg oder Aalen insgesamt noch blöder anstellen.
www.mannesauter.de

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